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Farben machen Leute / Color makes the man

Geschrieben in Kleidung am 04.08.2017 von Eva-Maria

Im Beitrag diu werlt was gelf, rôt unde blâ gab ich einen Überblick über Färbepflanzen und die damit erzielbare Farbpalette. Auch habe ich angeschnitten, dass die Farbe der Kleidung ein wichtiger nonverbaler Faktor war, um den sozialen Stand einer Person zum Ausdruck zu bringen - "Farben machen Leute" sozusagen. Welche Kleiderfarben im Mittelalter gebräuchlich waren und ob sie eher Herren- oder Bauernkleidung zierten, darüber gibt die folgende Liste Auskunft. *** Englisch summary at end of text *** Braun: Braun war eine geläufige Kleidungsfarbe, die entweder durch den Naturton der Schafe im S...

mit deme hûse sint bemeinet die in deme hûs sint - Belebung im Museum Tiroler Bauernhöfe, 19.-20. August 2017

Geschrieben in Veranstaltungen am 27.07.2017 von Eva-Maria

Als Teil eines Lebendigen Museums ist vrouwen mære vom 19.-20. August 2017 im Museum Tiroler Bauernhöfe in Kramsach zu Gast. Unter dem Schwerpunkt "Leben und Alltag im mittelalterlichen Tirol' wird dort im Gelände rund um den historischen Ötztaler Hof das Mittelalter wieder lebendig. Hier können Sie das Programm herunterladen! Erleben Sie den Alltag eines Haushalts aus der damaligen Zeit, schnuppern Sie die Düfte historischer Köstlichkeiten und erfahren Sie in interaktiven Präsentationen mehr zu Leben und Alltag im 14. Jahrhundert. In spannenden Präsentationen beleuchten drei Living History Gr...

...sol stechen ain Pild von Seiden - Seidennater im spätmittelalterlichen Tirol

Geschrieben in Sticken am 25.07.2017 von Eva-Maria

Der Beruf des Seidenstickers war ein Handwerkszweig im mittelalterlichen Tirol, der mit der Hofhaltung der Habsburger vom 15. – 17. Jahrhundert in Innsbruck seine Blütezeit erlebte. Nichtsdestotrotz waren schon vorher professionelle Seidensticker auf dem Gebiet des heutigen Nord- und Südtirols tätig gewesen. Am Hof der als Tiroler Landesfürsten gemeinsam regierenden Brüder und Herzoge Otto, Ludwig und Heinrich (1295-1310) in Meran wurde bereits aufwändiger Kleiderprunk getrieben. Wenn auch kein Seidensticker erwähnt wird, so weisen doch zahlreiche Nachrichten auf Seidenstickerarbeiten hin (zB...

Lamechs Tochter fain, die erst Nettrin soll gwesen sein - Frauen als professionelle Stickerinnen

Geschrieben in Sticken am 18.07.2017 von Eva-Maria

Im Widerspruch zum modern geprägten Bild von der Frau im Mittelalter, die sich einzig um Haushalt und Kindererziehung kümmerte, war die Erwerbstätigkeit von Frauen im Spätmittelalter mehr die Regel denn die Ausnahme. Es gab kaum ein Handwerk bzw. Gewerbe, in dem Frauen nicht zu finden waren. Sie arbeiteten unter anderem als Metzger, Eisenhändler, Netzmacher, Schuster, Handschuhmacher und Gürtler, Kurzwarenhändler, Taschen- und Hutmacher, Kürschner, Buchbinder, Vergolder, Maler, Seidenweber und Seidensticker, Gewürzhändler, Schmied und Goldschmied sowie diversen weiteren Handwerkszweigen. Doch...

Anleitung für eine brettchengewebte Kante / tutorial on a tablet-woven edge

Geschrieben in Links, Nähen am 10.07.2017 von Eva-Maria

Immer wieder begegnen uns Almosenbeutel, die an der Seitennaht mit einer brettchengewebten Borte verziert sind. Auch einige der Kleiderfunde aus Herjolfsnes weisen brettchengewebte Verzierungen/Verstärkungen an Saumkanten auf. Grund genug, mich einmal mit deren Machart auseinanderzusetzen. Ich hatte zwar vor einigen Jahren einen Anfängerworkshop für Brettchenweben besucht, damals aber weder die Technik richtig verstanden noch eine anständige Borte zustande gebracht. Also hieß es für mich erstmal, die Basics zu Recherchieren. In der Publikation des Museums of London zu Textiles and Clothing 115...

Ein kreisrundes Portrait - Teil 2 / a portrait in a roundel - part 2

Geschrieben in Sticken am 05.07.2017 von Eva-Maria

Nach zahlreichen arbeitsamen Abenden und rund 25 Stunden Stickerei ist die Auftragsarbeit endlich fertig geworden. Das Portait in Opus Anglicanum Technik nach der Freskovorlage der "Allegorie der guten und schlechten Regierung" von Ambrogio Lorenzetti  (1338/1339) misst 8 Zentimeter im Durchmesser und funkelt golden, dass es eine Freude ist. Auch mit der Schattierung der Nadelmalerei in Spaltstich bin ich sehr zufrieden. Nun muss es nur mehr verpackt und seinem neuen Besitzer übergeben werden - der freut sich schon ganz wahnsinnig darauf.  After countless industrious evenings and 25 hours of...

mach das Gold flexibel - versenkte Anlegetechnik / making gold thread flexible - underside couching

Geschrieben in Sticken am 29.06.2017 von Eva-Maria

Neben der oberflächlichen Anlegetechnik existiert noch eine zweite Möglichkeit, Goldfaden in Stickarbeiten zu verwenden - die versenkte Anlegetechnik. Dabei wird der Goldfaden in regelmäßigen Abständen mit Hilfe einer Fadenschlaufe auf die Hinterseite der Stickerei gezogen und so im Stoff verankert (Illustration der Technik). Der Vorteil hier ist, dass durch die regelmäßigen kleinen Knicke der Goldfaden nicht so steif auf dem Stoff aufliegt und das fertige Stickobjekt daher flexibler ist. Das war mitunter ein Grund, warum die versenkte Anlegetechnik im "Opus Anglicanum" breite Verwendung fand....

und wenn ein Lehrkind aufgedingt wird, soll es der Bruderschaft einen Gulden und ein Viertel Wein geben - Ausbildung der Sticker/innen

Geschrieben in Sticken am 25.06.2017 von Eva-Maria

Mit dem Zusammenschluss der professionellen Sticker/innen zu Interessensgemeinschaften bzw. später auch Zünften, ergab sich auch die Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen für die Ausbildung von Lehrlingen festzulegen, die ganz auf die Werkstatten der Stickmeister beschränkt wurde. Die benötigte Lehrzeit war im Vergleich zu anderen Handwerken (mit in der Regel zwei bis drei Lehrjahren) ungewöhnlich hoch, beispielsweise dauerte die Ausbildung in Köln sechs Jahre (Ordnung der Kölner Wappensticker, § 2), in Mailand fünf Lehrjahre, in Paris anfangs sogar acht, 1566 ebenfalls sechs. Zur Absicherung e...

es grüßt der oberste Richter [...] alle, an die folgende Verordnungen gehen - Organisation in Zünften

Geschrieben in Sticken am 14.06.2017 von Eva-Maria

Obwohl sich professionelle Seidensticker/innen schon früh zur Interessensgemeinschaften zusammengeschlossen hatten, wurden die korrespondierenden Zünfte allerdings oftmals erst im 15. oder 16. Jahrhundert formell gegründet (zB 1471 in Paris, 1561 in London). Der Eintritt in die Zunft war unterschiedlich geregelt, entweder nur mit einer Eintrittsgebühr ganz ohne Prüfung oder mit der Eintrittsgebühr und erfolgreich absolvierter Kenntnisstandsprüfung. Letztere gab es lediglich zur Meisterwerdung in Form der Meisterprüfung, in der genormte Beispiele in zumeist einer festgesetzten Frist zu sticken...

umb ain creutz auff das messgewandt zu machen - Produktionszentren mittelalterlicher Stickerei

Geschrieben in Sticken am 08.06.2017 von Eva-Maria

Die Seidenstickerei war vor Seidenspinnerei und -weberei sowie der Seidenfärberei der erste Zweig der Seidengewerbe im Mitteleuropa des 14. Jahrhunderts. London, Paris und einige niederländische sowie deutsche Städte wurden erst dadurch bedeutende Produktions- und Handelszentren für Seidenwaren nördlich der Alpen. In Brügge werden 1296 unter den Zünften die cultensteckers, aber noch nicht Seidenweber genannt; (mit ihnen auch noch Gold- und Silberschmiede); Eine entsprechende Gewerbeordnung für Sticker ist erstmals 1441 nachweisbar. In Gent finden wir ebenfalls zuerst wap...