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Weil ich ein Mädchen bin - Ziegelstich in Pink / 'cause I'm a girl - brick stitch in pink

Geschrieben in Sticken am 02.10.2017 von Eva-Maria

Manchmal muss man einfach seine innere Prinzessin auch mal zu Wort kommen lassen. Dann wird das Farbschema für den neuen Beutel in Ziegelstich-Stickerei eben pink und rosa - passt damit es wenigstens zu meinem Surcot. Das Muster stammt von einem seidenbestickten Beutel, der ca. 1300 in Luik/Maastricht gefertigt wurde, heute in der Schatzkammer van de Sint-Servaaskerk (IV-Nr. 18-4) in Maastricht aufbewahrt wird und das Medieval Silkwork dankenswerterweise online veröffentlich hat. Soweit, so gut - dann folgen jetzt die Bilder. Sometimes you have to let your inner princess speak - and in my cas...

ökonomischer Zuschnitt eines Herjolfsnes-Kleides / cutting a Herjolfsnes dress economically

Geschrieben in Nähen am 25.09.2017 von Eva-Maria

Ich möchte heute jene Methode mit euch teilen, mit der ich meine Kleider für das späte 14. Jahrhundert zuschneide. Konkret geht es dabei um eine langärmelige Version des Herjolfsnes-Fundes Nr. 39 (Museum No. D10581). Wenn ihr wie ich nur 1,60 Meter hoch gewachsen seid, gibt es eine Möglichkeit, beim Zuschnitt des Kleides Stoff zu sparen und damit den Verbrauch auf nicht ganz 4 Meter (bei einer  Webbreite von 140 cm) zu reduzieren. Was in Anbetracht der Kosten von handgewebten, pflanzengefärbten Stoffen nicht ganz uninteressant ist, oder? Die Sache hat allerdings mehrere Haken: Bei 140 cm Webbr...

Ost trifft West - ein seidener Beutel / east meets west - a silk pouch

Geschrieben in Sticken am 18.09.2017 von Eva-Maria

Neben aufwendig bestickten Almosen- / Reliquienbeuteln (Beispiel) finden sich in den mittelalterlichen Textilsammlungen der Museen auch Beutel aus Seidenstoffen (Beispiel 1, Beispiel 2). Seidentaffeta, Samte und Brokatstoffe (oft mit Gold- und Silberfäden durchwirkt) scheinen hier die bevorzugte Wahl gewesen zu sein, waren diese Luxustextilien doch gut geeignet, Wohlstand und Status auszudrücken. Wo bei bestickten Beuteln die Stickerei im Mittelpunkt stand, lag der Fokus bei Beuteln aus Stoff auf den Details. So wurden die Seiten beispielsweise aufwendig mit winzigen Türkenkoten aus Gold- bzw....

Living History Blogs

Geschrieben in Links am 06.09.2017 von Carmen

Hier findet ihr eine kleine Sammlung ausgewählter Blogs, die sich vornehmlich mit Living History, historischen Rekonstruktionen und den Lebenswelten im Mittelalter beschäftigen. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird daher auch in (un)regelmäßigen Abständen aktualisiert.  Mehr Informationen zur Quellenrecherche im Internet und der mittelalterlichen Kochkunst findet ihr in den jeweiligen Blogeinträgen. Here's our list of selected blogs that mainly feature living history topics, the making of historic reconstructions or illuminate the life of medieval people. As the list i...

Geometrische Grazie / geometric gracefulness

Geschrieben in Sticken am 30.08.2017 von Eva-Maria

Nachdem die Stickarbeiten für den Nachbau des Almosenbeutels aus der Bock Collection des V&A abgeschlossen sind, konnte ich kürzlich mit dem Zusammenbau des kleinen Textilkunstwerks beginnen. In diesem Blogpost möchte ich euch daher an den Schritten teilhaben lassen, die nötig sind, um ein Stück Ziegelstich-Stickerei in ein fertiges Accessoire zu verwandeln. After the embroidery work for the alms pouch made after an extant purse from the Bock Collection of V & A has been finished, I started to assemble the little textile work of art. This blogpost will feature the steps needed to turn a piece...

Farben machen Leute / Color makes the man

Geschrieben in Kleidung am 04.08.2017 von Eva-Maria

Im Beitrag diu werlt was gelf, rôt unde blâ gab ich einen Überblick über Färbepflanzen und die damit erzielbare Farbpalette. Auch habe ich angeschnitten, dass die Farbe der Kleidung ein wichtiger nonverbaler Faktor war, um den sozialen Stand einer Person zum Ausdruck zu bringen - "Farben machen Leute" sozusagen. Welche Kleiderfarben im Mittelalter gebräuchlich waren und ob sie eher Herren- oder Bauernkleidung zierten, darüber gibt die folgende Liste Auskunft. *** Englisch summary at end of text *** Braun: Braun war eine geläufige Kleidungsfarbe, die entweder durch den Naturton der Schafe im S...

mit deme hûse sint bemeinet die in deme hûs sint - Belebung im Museum Tiroler Bauernhöfe, 19.-20. August 2017

Geschrieben in Veranstaltungen am 27.07.2017 von Eva-Maria

Als Teil eines Lebendigen Museums ist vrouwen mære vom 19.-20. August 2017 im Museum Tiroler Bauernhöfe in Kramsach zu Gast. Unter dem Schwerpunkt "Leben und Alltag im mittelalterlichen Tirol' wird dort im Gelände rund um den historischen Ötztaler Hof das Mittelalter wieder lebendig. Hier können Sie das Programm herunterladen! Erleben Sie den Alltag eines Haushalts aus der damaligen Zeit, schnuppern Sie die Düfte historischer Köstlichkeiten und erfahren Sie in interaktiven Präsentationen mehr zu Leben und Alltag im 14. Jahrhundert. In spannenden Präsentationen beleuchten drei Living History Gr...

...sol stechen ain Pild von Seiden - Seidennater im spätmittelalterlichen Tirol

Geschrieben in Sticken am 25.07.2017 von Eva-Maria

Der Beruf des Seidenstickers war ein Handwerkszweig im mittelalterlichen Tirol, der mit der Hofhaltung der Habsburger vom 15. – 17. Jahrhundert in Innsbruck seine Blütezeit erlebte. Nichtsdestotrotz waren schon vorher professionelle Seidensticker auf dem Gebiet des heutigen Nord- und Südtirols tätig gewesen. Am Hof der als Tiroler Landesfürsten gemeinsam regierenden Brüder und Herzoge Otto, Ludwig und Heinrich (1295-1310) in Meran wurde bereits aufwändiger Kleiderprunk getrieben. Wenn auch kein Seidensticker erwähnt wird, so weisen doch zahlreiche Nachrichten auf Seidenstickerarbeiten hin (zB...

Lamechs Tochter fain, die erst Nettrin soll gwesen sein - Frauen als professionelle Stickerinnen

Geschrieben in Sticken am 18.07.2017 von Eva-Maria

Im Widerspruch zum modern geprägten Bild von der Frau im Mittelalter, die sich einzig um Haushalt und Kindererziehung kümmerte, war die Erwerbstätigkeit von Frauen im Spätmittelalter mehr die Regel denn die Ausnahme. Es gab kaum ein Handwerk bzw. Gewerbe, in dem Frauen nicht zu finden waren. Sie arbeiteten unter anderem als Metzger, Eisenhändler, Netzmacher, Schuster, Handschuhmacher und Gürtler, Kurzwarenhändler, Taschen- und Hutmacher, Kürschner, Buchbinder, Vergolder, Maler, Seidenweber und Seidensticker, Gewürzhändler, Schmied und Goldschmied sowie diversen weiteren Handwerkszweigen. Doch...

Anleitung für eine brettchengewebte Kante / tutorial on a tablet-woven edge

Geschrieben in Links, Nähen am 10.07.2017 von Eva-Maria

Immer wieder begegnen uns Almosenbeutel, die an der Seitennaht mit einer brettchengewebten Borte verziert sind. Auch einige der Kleiderfunde aus Herjolfsnes weisen brettchengewebte Verzierungen/Verstärkungen an Saumkanten auf. Grund genug, mich einmal mit deren Machart auseinanderzusetzen. Ich hatte zwar vor einigen Jahren einen Anfängerworkshop für Brettchenweben besucht, damals aber weder die Technik richtig verstanden noch eine anständige Borte zustande gebracht. Also hieß es für mich erstmal, die Basics zu Recherchieren. In der Publikation des Museums of London zu Textiles and Clothing 115...