Mitglieder

Eva-Maria

(c) Thorsten SchilloDarstellung

Stickerin

Hintergrund

Mit einer Lehrzeit von 8 Jahren war das Kunsthandwerk „Stickerei“ eine der aufwändigeren Ausbildungen, dafür aber eines jener Gewerbe, in denen Frauen Gesellinnen und – ein Jahr und einen Tag später – auch Meisterinnen im eigenen Recht werden konnten. Um eine eigene Werkstatt zu eröffnen, fehlte vielen jedoch das Geld für Räumlichkeiten, Unterkunft und Verpflegung für Lehrlinge und die benötigten kostbaren Materialien (Seiden- und Goldfäden, Perlen …) So entstanden vor allem in den großen Stickereizentren (Paris, London, Flandern und Italien) regelrechte Stickdynastien, die innerhalb der Familie weitervererbt wurden.
Da Stickereien, im Gegensatz zu Gemälden, nur selten signiert wurden, sind die Namen der Handwerker/innen kaum je überliefert. Aus alten englischen Rechnungsbüchern wissen wir jedoch, dass 1327-28 eine Johanna Heyroun von London schwarze Messgewänder für die Kapelle König Edwards III lieferte und Mathilda la Settere im hofeigenen Stickereibetrieb des jungen Königs beschäftigt war.
Für Österreich, insbesondere die gefürstete Grafschaft Tirol, ist der Nachweis professioneller Stickbetriebe im Mittelalter einer meiner Rechercheschwerpunkte.


Hanna

Darstellung

Hebamme/Küchenmagd

Hintergrund

Das Hebammenwesen als feste Berufsgruppe kann erst ab dem späten 15. Jahrhundert belegt werden, davor muss davon ausgegangen werden, dass es sich bei Geburtshelferinnen eher um erfahrene Verwandte und Nachbarinnen gehandelt hat. Die frühesten Abbildungen und Erwähnungen von Hebammen finden sich zwar ausschließlich im Klerikalen Bereich (v. a. Geburt der Maria), aber aus den Dokumenten, die aus dem 15. Jahrhundert vorhanden sind (u. a. ‘Der Schwanngeren, Frawen vnd Hebammen Rosengarten’ von Eucharius Rößlin) kann aber in Kombination mit Quellen aus dem 14. Jhdt. sehr viel über die Hebammenarbeit geschlossen werden, die entgegen weitläufiger Klischees eine sehr angesehene Tätigkeitssparte war.
Wegen ihrer Ausführlichkeit und regionalen Nähe zur Tiroler Hauptstadt Innsbruck sind dabei die Aufzeichnungen über die Hebammen der Stadt Hall in Tirol von spezieller Relevanz für meine Darstellung. Zudem mache ich mich wegen der hohen Wahrscheinlichkeit, dass eine Hebamme im 14. Jahrhundert nicht primär Geburtshelferin war, nebenher auch als Küchenhilfe mehr oder weniger nützlich.


Carmen

(c) Thorsten SchilloDarstellung

Köchin

Hintergrund

Das Wissen über die Kochkunst des Mittelalters stammt meist aus Aufzeichnungen des Klerus und des Adels. Deren Küchenmeister zauberten zur damaligen Zeit mit für uns einfachsten Mitteln wahre Gaumenfreunden, während bei den einfachen Leuten kaum mehr als Getreidebrei kredenzt wurde – die Begriffe “Herrenspeis” und "Bauernspeis” kann man davon ableiten. 
Basierend auf Kochbüchern des 14. Jahrhunderts – u.a. dem “Liber de Coquina” (Beginn 14. Jhd.), dem “Forme of Cury” (England, ca. 1390) und dem “Bouch von guoter Spise” (Deutschland, ca. 1350) – versuche ich die überlieferten Gerichte – seien es einfache, deftige Speisen oder raffinierte Kreationen bestimmt für Könige – so authentisch wie möglich nachzukochen, und nicht oft bin ich selbst überrascht wie vielseitig und geschmacklich aufregend das Mittelalter geschmeckt hat.