Kategorie: Alltag

wer nit zöpf und schaiteln trüg als die frawen nach ir art / a hairstyle after the Tacuinum Sanitatis manuscript

Geschrieben in Alltag, Kleidung am 30.11.2016 von Eva-Maria

Schon länger wollte ich eine Frisur ausprobieren, die im Tacuinum Sanitatis (zB Bild 037, BNF_NAL1673_ca1390) häufig zu sehen ist. Dazu benötigte ich zuerst jedoch ein Band, mit dessen Hilfe die Haare quasi an den Kopf "genäht" werden können. Meine IG14-Kollegin von den Wienischen Handwercluiten hat bereits ein ähnliches Haarband mit einem Webkamm hergestellt und ihre Versuche, die Frisur zu rekonstruieren, im Blog dokumentiert. Ich wollte mein Band mit der Fingerschlaufen-Webtechnik (Fingerloop) herstellen und hab mich dazu an die Anleitung für Band Nr. 38. A grene Dorge aus "Tak V bowes dep...

Lirum Larum Löffelstil / trying my hands on spoon carving

Geschrieben in Alltag am 30.09.2016 von Eva-Maria

Anfang Jänner habe ich meine Komfortzone verlassen und mich an ein ganz andreres Material gewagt - Holz. Für jemanden wie mich, der gerne mit Fäden und Stoffen hantiert, war es unglaubliches Neuland, diesen Werkstoff in den Händen zu halten und dann auch noch zu bearbeiten. Jedenfalls habe ich mich an Holzschnitzarbeiten versucht und einen Löffel nach dem Vorbild des Fundes von Schloss Runkelstein, datiert auf das 15. Jhdt., gefertigt. Ohne passendes Löffelschnitzmesser ist es zwar mühselige Kleinarbeit, die Laffe zu formen, am Ende hat es dann aber geklappt. Dabei hab ich mich nicht einmal in...

grīse loden & bunte tuoche - regionale Stoffe kleiden das Land

Geschrieben in Alltag am 20.09.2016 von Eva-Maria

Wolle und Leinen waren in Tirol ein wichtiges bäuerliches Zinsgut; Urbare (Zinsgüterverzeichnisse) vom 13. bis zum 15. Jahrhundert und anlässlich von Erbschaftsabhandlungen und Verpachtungen aufgenommene Inventare sind voll von diesbezüglichen Hinweisen. (Vielfach wird ein 'pannus lineus' oder ein 'Pannus laneus' erwähnt). Die Schwaighöfe in Enneberg mussten dem Stift Sonnenburg, dem sie gehörten, in den Jahren 1296 bis 1315 die gesamte Wolle von 368 Schafen abliefern. Zentren nicht nur der Woll-, sondern auch der Leinenproduktion waren die Ämter Petersberg (Silz) und Nauders im Oberinntal. A...

wo wëberschiffelîn stân nit still - Textilproduktion im mittelalterlichen Tirol

Geschrieben in Alltag am 09.09.2016 von Eva-Maria

Die frühesten Nennungen von Textilhandwerkern in Tirol finden sich im 13. Jahrhundert in den Städten Bozen, Meran, Innsbruck, Brixen und Bruneck, da sich dort durch die entsprechende Nachfrage und durch die regelmäßig stattfindenden Märkte spezialisierte Gewerke entwickeln konnten. Das Herstellen von Textilien und Kleidung erfolgte hier oft durch Frauen in Heimarbeit, wie aus einem Steuerverzeichnis der Bamberger Eigenleute im Vinschgau von 1307 hervorgeht, in dem mehrere Weberinnen genannt sind. Zahlreiche Handwerker lassen sich auch in Bozen nachweisen: Die Stadt bildete mit den seit 1202 n...

ein wüllîn röckelîn - Vom Schaf zum Wollstoff

Geschrieben in Alltag am 02.09.2016 von Eva-Maria

Schafzucht ist im Gebiet des heutigen Südtirol seit der jüngsten Steinzeit nachzuweisen. Die hochgelegenen und kargen Alpengebiete (in Südtirol liegen 40% des Landes über 2000 m) eigneten sich besonders für die Haltung von Schafen. Die größten Schafherden gab es im Pustertal, vor allem in der Gegend von Lienz und Sillian und im Tauferer Tal, während die feinste Wolle aus dem Schnalstal und den ladinischen Bezirken wie Abtei, Fassa und Buchenstein kam. Zusammen mit dem oberen Vinschgau und der Sterzinger Gegend zählte das Pustertal mit seinen Seitentälern früher zu den wichtigsten Schafzuchtge...

den har spinnen - Verarbeitung von Flachs zu Leinen

Geschrieben in Alltag am 22.08.2016 von Eva-Maria

In der bäuerlichen Hauswirtschaft gab es vornehmlich drei Faserlieferanten: das Schaf, den Flachs und den Hanf. Alle drei Rohstoffe wurden meist auf dem eigenen Hof produziert und dort versponnen und zu Tuch verarbeitet. Der Bauersfrau fiel im Rahmen der Textilherstellung nicht nur das Spinnen und Weben selbst zu, sondern der gesamte Herstellungsprozess von der Gewinnung der Rohstoffe bis zu den fertig hergestellten Kleidern lag in ihren Händen. Die so hergestellten Stoffe dienten einerseits als Zinsgut für den Grundherrn, andererseits als Handelsware für den städtischen Markt (und brachten d...

Gebete am laufenden Band / prayer beads on a string

Geschrieben in Alltag am 09.08.2016 von Eva-Maria

Da Religion eine bedeutende Rolle im Leben des mittelalterlichen Menschen spielte, ist es nicht verwunderlich, dass sich auch religiöse Gebrauchsgegenstände zu Statussymbolen weiterentwickelten. So passiert beim Paternoster - der Gebetskette, die als Vorläufer des modernen Rosenkranzes gilt - und der ursprünglich nur zum Abzählen der "Vater Unser" und "Ave Maria" diente. Da die Kette allerdings offen am Gürtel getragen wurde, bot sie die perfekte Gelegenheit, zugleich auch finanziellen Wohlstand zur Schau zu stellen, z.B. durch teure Materialien wie Koralle oder Bergkristall. Der obere Paterno...

Von Wittiben & alten Weibern

Geschrieben in Alltag am 08.07.2016 von Eva-Maria

Im bäuerlichen Milieu hatte die Frau nach dem Tod des Ehegatten nur wenige Entscheidungsmöglichkeiten - ,,frei zu sein" konnte sie sich zumeist aus wirtschaftlichen Überlegungen nicht leisten. Vor allem wenn man bedenkt, welch umfangreiches Aufgabengebiet die bäuerliche Frau auch vor dem Ableben ihres Mannes zu erledigen hatte und welche Tätigkeiten in Zusammenhang mit der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung beim Tod des Bauern der Witwe zufielen, ist es nur schwer vorstellbar, dass eine kleine Hufenbäuerin über einen längeren Zeitraum hinweg alle Arbeiten alleine fortführen konnte. War sie...

sin eliche vrouwe - Die Bäuerin als Gattin & Mutter

Geschrieben in Alltag am 04.07.2016 von Eva-Maria

„Geld zu Geld“ – unter diesem Aspekt wurden bis vor wenigen Jahrzehnten auf dem Land oftmals Ehen geschlossen bzw. arrangiert. Wer einen großen Hof und ensprechende großzügige Feld- und Ackerflächen besaß, trachtete oft danach, diese durch eine günste Verbindung mit einem anderen gutsituierten Bauernhof zu vermehren oder durch eine Zusammenlegung der Flächen zu größeren Einheiten wirtschaftliche & steuerliche Vorteile zu erzielen. Solange auch Frondienst für die Grundherren geleistet werden musste, hatten auch dieser ein Interesse an einer wachsenden Anzahl von Hörigen und dementsprechenden Eh...

Jungfrau, Mutter, Greisin - die Lebensrollen der bäuerlichen Frau

Geschrieben in Alltag am 16.06.2016 von Eva-Maria

Das Leben der Frau am Land war geprägt von unterschiedlichen Anforderungen. Einerseits war sie unverzichtbare Arbeitskraft am Hof, andererseits Gattin, Mutter und Mitglied der dörflichen Gemeinschaft. All diesen Rollen lag ein gesellschaftlicher Verhaltenskodex zugrunde, dessen Einhaltung über das Ansehen der Frau in der Hof- und Dorfgemeinschaft entschied. So waren die Grenzen der persönlichen Freiheit oftmals recht eng gesteckt. In dieser Serie an Blogposts möchte ich mir die unterschiedlichen Rollen, die eine Bäuerin im Laufe ihres Lebens zu erfüllen hatte, genauer ansehen. In Wald und An...