Blog

Take a crust ynche depe in a trap

Geschrieben in Rezepte am 04.02.2016 von Carmen

Wie bereits in meinem Blogpost über Quellen für historische Kochrezepte erwähnt, gehört The Forme of Cury zu einem meiner Lieblingskochbücher aus dem 14. Jahrhundert und ich finde es immer wieder spannend Rezepte daraus auszuprobieren.  Für unsere erste Belebung auf der Bachritterburg in Kanzach, bei der wir unter anderem auch Brot gebacken haben und die Resthitze des Backofens (so gut wie möglich) nutzen wollten, habe ich aus diesem Englischen Kochbuch ein Tarte-Rezept gewählt, das ich euch heute vorstellen möchte. Die folgenden Angaben sind basierend auf dem Originalrezept, beruhen aber viel...

Ein Beutel für die Armen

Geschrieben in Sticken am 02.02.2016 von Eva-Maria

Bestickte Almosenbeutel waren im 14. Jahrhundert DAS Must-Have für standesbewusste Bürgerinnen. Klar, dass ich für meine Darstellung auch ein solches Teil benötigte. Und da ich ja eine Stickerin darstelle, lag es nahe, mir meinen Almosenbeutel selbst zu fertigen. Also hieß es, die Muster und Machart zu recherchieren und den Plan in die Tat umzusetzen. Besonders hilfreich waren dabei diese Seiten, die Scans von erhaltenen Originalen und Stickdiagramme aufführen: A stitch out of Time Historical Needlework Resources Medieval Purses Meine Nachforschungen erg...

Auch Moorleichen frieren

Geschrieben in Nähen am 27.01.2016 von Carmen

Um den restlichen Winter nähtechnisch noch produktiv zu nutzen, und weil ich einfach immer friere, wurde der Mantel des Bocksten Mannes zu meinem diesjährigen (Es-ist-Gott-sei-Dank-immer-noch-Winter-)Projekt erkohren. Auf der Webseite von Marc Carlson gibt es eine genaue Skizzierung mit Maßangaben zum Fund, die ich als Grundlage für meine Umsetzung benutze. Den Maßen nach zu urteilen dürfte der Mantel bei einem ausgewachsenen Mann vermutlich knapp über die Knie gereicht haben. Basierend auf Darstellungen von Frauen-Mäntel im ausgehenden 14. Jahrundert habe ich mich jedoch entschieden eine etw...

Im Dunkeln ist gut runkeln

Geschrieben in Rezepte, Veranstaltungen am 26.01.2016 von Eva-Maria

Ja, ich weiß, das Sprichwort geht eigentlich anders. ;-) Allerdings ist der Titel eine Anspielung auf die Lange Nacht der Bozner Museen, die am 27. November 2015 auf Schluss Runkelstein / Castel Roncolo in Südtirol stattfand und wo wir drei auf Einladung von "Niedertor mit Gefolge" dabei sein durften.   Das diesjährige Thema lautete "Geheimnisse der mittelalterlichen Küche". An drei Schautischen konnten die Besucher Herrenspeis und Bauernspeis bewundern und sich im Gewürzeraten üben. Die Kinder durften die Rüstung des Herrn Sigmund von Niedertor (alias Reinhold) anprobieren und für die Texti...

Von Schulen und Schecken

Geschrieben in Veranstaltungen am 19.01.2016 von Eva-Maria

Gestern absolvierte vrouwen maere den ersten öffentlichen Auftritt - und was soll man/frau sagen - die Feuertaufe haben wir bestanden.  Eva-Maria und Carmen waren eingeladen, vor einer zweiten Klasse der höheren Lehranstalt für Mode ("Modeferrari") zur Entwicklung der Kleidung im 14. Jahrhundert zu referieren. Unter dem Motto "Kleidung zwischen Krieg, Pest und Lebensfreude" füllten wir zwei Unterrichtsstunden mit allerlei Wissenswertem zur Mode des Spätmittelalters. Neben einem generellem Überblick (im Schnelldurchlauf) über die Entwicklung der Frauen- und Männermode im 14. Jahrhundert gingen...

Erbrecht in Tirol

Geschrieben in Alltag am 13.01.2016 von Eva-Maria

Wie schon in Teil 2 meiner Serie zum Bauernleben erwähnt, brachte der spätmittelalterliche Bevölkerungsrückgang die bäuerliche Bevölkerung in eine bessere 'Verhandlungsposition' gegenüber den Grundherren. Anstatt nur als Lehen vergeben zu werden, wurden Höfe beispielsweise vererbbar. Bei der Vererbung des Besitzes entwickelte die bäuerliche Bevölkerung verschiedene Strategien. Bei der Realteilung, die vor allem in Vorarlberg, im westlichen Tirol (Oberinntal z.B. auch Ötztal, Außerfern und Vinschgau), in der südlichen Steiermark und im Burgenland vorherrschte, wurde das Erbe auf alle (männliche...

dar under ein weiches bette lac

Geschrieben in Alltag am 03.01.2016 von Eva-Maria

Bettwäsche im Tirol des ausgehenden 14. Jahrhunderts Über die Ausprägung von Bett und Bettwäsche existieren zahlreiche Bildbelege, zumeist zu biblischen Themen oder als Illustrationen in zeitgenössischen Romanen. In Bilddatenbanken findet man diese gerne unter folgenden Suchworten: Geburt Mariens, Johannes, Jesu oder anderer Heiliger Tod Mariens oder diverser Heiliger Judith und Holofernes sowie weitere alttestamentarische Paare Heilige Elisabeth und ihre Wundertaten Heilung Kranker Traum des Nebukadnezar sowie Visionen Hl. Nikolaus beschenkt die drei Jungfrauen Ver...

Sonderfall Tirol - Bauern entscheiden mit

Geschrieben in Alltag am 02.01.2016 von Eva-Maria

Nachdem ich im letzten Blogpost die Situation der Bauern generell behandel habe, möchte ich nun auf die Stellung des Bauernstandes in Tirol eingehen. Im Gegensatz zu den restlichen Gebieten des Habsburger-Reiches waren die Bauern in Tirol traditionell mit Mitspracherecht ausgestattet und dadurch freier als ihre Standesgenossen in anderen Gebieten. Es ist nicht ganz klar, wie sich diese Eigenständigkeit entwickelt hatte, es gab jedoch einige äußere Einflüsse, die den Aufschwung des Bauernstandes begünstigten. Im 14. Jahrhundert entstand die schweizerische Eidgenossenschaft. Das Beispiel freier...

Kleidung der arbeitenden Frau

Geschrieben in Kleidung am 02.01.2016 von Eva-Maria

Die bildlichen Darstellungen von arbeitenden Frauen in unserem Darstellungszeitraum (1373 - 1400) teilen sich grob in zwei Kategorien – Bäuerin und Hausfrau/Handwerkerin - auf. Für Bäuerinnen (links) scheint Bewegungsfreiheit ein wichtiges Kriterium gewesen zu sein. Hier ist die Kleidung meist weit geschnitten (ähnlich wie im Hochmittelalter) und weist als modische Neuerung lediglich geknöpfte Ärmel auf. Meist werden die Ärmel nur bis zum halben Unterarm geöffnet und umgeschlagen, um sie vor Verschmutzung bei der Arbeit zu schützen. Dies deutet darauf hin, dass auch die Knopfleiste lediglich...

Ausschnittformen der Frauenkleidung

Geschrieben in Kleidung am 02.01.2016 von Eva-Maria

Mit dem Aufkommen der körperbetonten Mode Mitte des vierzehnten Jahrhunderts änderten sich auch die Ausschnittformen. Wo der Halsausschnitt im Hochmittelalter kaum mehr als ein Loch zum Durchschlüpfen war, unterlag er nun modischen Schwankungen und gesellschaftlichen Normen - das Dekolleté war geboren. Je nach Stand der Trägerin und Erfordernissen der Kleidung zeigte sich der Ausschnitt Ende des 14. Jahrhunderts in mehreren Formen:   Der Schlupfausschnitt Charakteristisch ist seine enge Form ohne offensichtlichen Verschluss, die gerade ein Durchkommen des Kopfes ermöglicht und manchmal auch e...