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sie wart in blôzem hemde

Geschrieben in Nähen am 03.03.2016 von Eva-Maria

Da ich zwar das Mittelalter nacherleben, aber nicht unbedingt authentisch riechen möchte (manch moderne Gepflogenheiten der Hygiene sind eben doch nicht so leicht abzulegen) benötige ich ein zweites Leibhemd für die kommende Saison. Dabei hielt ich mich an den einfachen Schnitt der Tunika Typ 5, der gemäß Marc Carlsons Some Clothing of the Middle Ages folgendermaßen beschrieben wird. "Garments consisting of two straight-cut main pieces -- front and back -- joined together with a shoulder seam. Side gores inserted between the main pieces, combining with them to form sleeve openings. No gores...

Da spuck ich Tinte und Galle

Geschrieben in Sticken am 26.02.2016 von Eva-Maria

"Die waren ja nicht blöd früher" hört man häufig auf Mittelaltermärkten, wenn es darum geht, ungenaue Rekonstruktionen oder moderne Einflüsse in der Darstellung zu entschuldigen. In meinem Fall dient der Satz aber dazu, zwei Punkte zu veranschaulichen, die mir im Rahmen eines kleinen Experimentes unterkamen: Die waren wirklich nicht blöd damals. Modern ist nicht immer besser. Aber worum geht es eigentlich? Als Stickerin benötige ich für die meisten Projekte eine Vorzeichnung auf dem Stoff. Da stellte sich mir die Frage, wie diese am besten auf selbigen kommt und auch, wie sie dann fixier...

Das Bauernjahr

Geschrieben in Alltag am 22.02.2016 von Eva-Maria

Nachdem ich mich in den vorhergehenden Blogposts mit der rechtlichen Stellung der Bauern und den landwirtschaftlichen Produkten beschäftigt habe, dreht sich dieser Artikel um die Tätigkeiten, die bei Erzeugung und Verarbeitung der bäuerlichen Güter in schöner Regelmäßigkeit anstanden. Teil 5: Arbeiten im Jahreskreis Der wiederkehrenden Zyklus der Jahreszeiten bestimmte die Feld- und Hausarbeiten, die im Laufe des Bauernjahres anfielen. Gerne waren diese Tätigkeiten auch Gegenstand von Monatsbildern, die in Gebetsbüchern und Freskenzyklen abgebildet wurden. Für den Alttiroler Raum besonders bed...

Hautkontakt mit Herjolfsnes

Geschrieben in Nähen am 15.02.2016 von Eva-Maria

Wie versprochen möchte ich euch mein Arbeiterinnenkleid vorstellen. Es basiert auf dem grönländischen Fund "No 39" aus Herjolfsnes, ist aber keine genaue Rekonstruktion. Die offensichtlichsten Unterschiede sind die langen Ärmel sowie die Ausschnittgestaltung, als kleinere Unterschiede habe ich keine Scheinnaht in der Seite verwendet sondern zwei Einzelteile zusammengenäht und auch die Art der Versäuberung an Ausschnitt und Saum weicht vom Fund ab. Passend ist jedoch die Webart - 2/2 Köper mit 10 Fäden/cm aus zwei naturbraunen ungefärbten Wollfäden, die in einigen Herjolfsnesfunden nachgewiese...

mit ir baider ærbait gewunnent sú spise und klait

Geschrieben in Alltag am 10.02.2016 von Eva-Maria

Nachdem ich mich in den vorhergehenden Blogposts mit der rechtlichen Stellung der europäischen wie Tiroler Bauern im Spätmittelalter und dem Erbrecht beschäftigt habe, wende ich mich nun existentielleren Dingen zu - nämlich der Landwirtschaft selbst. Die Lebensgrundlage der Bauern war ja das Land, von und auf dem sie lebten und das sie zum Unterhalt ihrer Familien wie ihres Grundherren bewirtschafteten. Teil 4: Nur wer arbeitet, kann auch essen  Die bäuerliche Wirtschaftsweise des Mittelalters war primär Subsistenzwirtschaft, sie diente also vorrangig der Selbstversorgung. Alle der Hausgemeins...

Take a crust ynche depe in a trap

Geschrieben in Rezepte am 04.02.2016 von Carmen

Wie bereits in meinem Blogpost über Quellen für historische Kochrezepte erwähnt, gehört The Forme of Cury zu einem meiner Lieblingskochbücher aus dem 14. Jahrhundert und ich finde es immer wieder spannend Rezepte daraus auszuprobieren.  Für unsere erste Belebung auf der Bachritterburg in Kanzach, bei der wir unter anderem auch Brot gebacken haben und die Resthitze des Backofens (so gut wie möglich) nutzen wollten, habe ich aus diesem Englischen Kochbuch ein Tarte-Rezept gewählt, das ich euch heute vorstellen möchte. Die folgenden Angaben sind basierend auf dem Originalrezept, beruhen aber viel...

Ein Beutel für die Armen

Geschrieben in Sticken am 02.02.2016 von Eva-Maria

Bestickte Almosenbeutel waren im 14. Jahrhundert DAS Must-Have für standesbewusste Bürgerinnen. Klar, dass ich für meine Darstellung auch ein solches Teil benötigte. Und da ich ja eine Stickerin darstelle, lag es nahe, mir meinen Almosenbeutel selbst zu fertigen. Also hieß es, die Muster und Machart zu recherchieren und den Plan in die Tat umzusetzen. Besonders hilfreich waren dabei diese Seiten, die Scans von erhaltenen Originalen und Stickdiagramme aufführen: A stitch out of Time Historical Needlework Resources Medieval Purses Meine Nachforschungen erg...

Auch Moorleichen frieren

Geschrieben in Nähen am 27.01.2016 von Carmen

Um den restlichen Winter nähtechnisch noch produktiv zu nutzen, und weil ich einfach immer friere, wurde der Mantel des Bocksten Mannes zu meinem diesjährigen (Es-ist-Gott-sei-Dank-immer-noch-Winter-)Projekt erkohren. Auf der Webseite von Marc Carlson gibt es eine genaue Skizzierung mit Maßangaben zum Fund, die ich als Grundlage für meine Umsetzung benutze. Den Maßen nach zu urteilen dürfte der Mantel bei einem ausgewachsenen Mann vermutlich knapp über die Knie gereicht haben. Basierend auf Darstellungen von Frauen-Mäntel im ausgehenden 14. Jahrundert habe ich mich jedoch entschieden eine etw...

Im Dunkeln ist gut runkeln

Geschrieben in Rezepte, Veranstaltungen am 26.01.2016 von Eva-Maria

Ja, ich weiß, das Sprichwort geht eigentlich anders. ;-) Allerdings ist der Titel eine Anspielung auf die Lange Nacht der Bozner Museen, die am 27. November 2015 auf Schluss Runkelstein / Castel Roncolo in Südtirol stattfand und wo wir drei auf Einladung von "Niedertor mit Gefolge" dabei sein durften.   Das diesjährige Thema lautete "Geheimnisse der mittelalterlichen Küche". An drei Schautischen konnten die Besucher Herrenspeis und Bauernspeis bewundern und sich im Gewürzeraten üben. Die Kinder durften die Rüstung des Herrn Sigmund von Niedertor (alias Reinhold) anprobieren und für die Texti...

Von Schulen und Schecken

Geschrieben in Veranstaltungen am 19.01.2016 von Eva-Maria

Gestern absolvierte vrouwen maere den ersten öffentlichen Auftritt - und was soll man/frau sagen - die Feuertaufe haben wir bestanden.  Eva-Maria und Carmen waren eingeladen, vor einer zweiten Klasse der höheren Lehranstalt für Mode ("Modeferrari") zur Entwicklung der Kleidung im 14. Jahrhundert zu referieren. Unter dem Motto "Kleidung zwischen Krieg, Pest und Lebensfreude" füllten wir zwei Unterrichtsstunden mit allerlei Wissenswertem zur Mode des Spätmittelalters. Neben einem generellem Überblick (im Schnelldurchlauf) über die Entwicklung der Frauen- und Männermode im 14. Jahrhundert gingen...