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Textile Pinselstriche / painting with the needle

Geschrieben in Sticken am 03.03.2017 von Eva-Maria

Es ist ein wenig wie Malen nach Zahlen: Man orientiert sich an der Vorlage und versucht, diese so gut als möglich zu kopieren. Nur dass in meinem Fall nicht der Pinsel, sondern die Nadel zum Einsatz kommt. Dabei achte ich bei der Platzierung der Spaltstiche darauf, die Stickrichtung an die Form anzupassen um so ein möglichst realistisches Bild zu erhalten. Linie für Linie, Schattierung für Schattierung entsteht so die textile Malerei. Das dauert seine Zeit, macht aber auch viel Spaß. Und es ist vor allem eine gute Übung für das Gesicht, dessen glaubwürdige Ausführung die Königsklasse im Opus A...

Von Rüschen und Recherche - der Kruseler/ on ruffles and research - frilled veils

Geschrieben in Kleidung am 27.02.2017 von Eva-Maria

Wer Ende des 14. Jahrhunderts schick sein möchte, kommt an der Kopfbedeckung der bürgerlichen/adeligen Frau kaum vorbei - dem KRUSELER. Dieser rüschenumrahmte Schleier erlebte ab ca. 1350 einen wahren Siegeszug und wurde die modische Hauptzier schlechthin in nahezu allen europäischen Ländern (ausgenommen Süditalien und Teile Frankreichs). Wie genau er konstruiert wurde - ob gewebt, genäht oder gefaltet - darüber streiten sich sowohl die Fach- als auch die Reenactmentwelt. Für mich ist an dieser Stelle allerdings weniger das "Wie gemacht" als das "Welche Form" interessant. So habe ich mich auf...

Konturspiel in Weiß - Opus Teutonicum / medieval whitework - opus teutonicum

Geschrieben in Sticken am 21.02.2017 von Eva-Maria

Opus Teutonicum ist eine Form der Weißstickerei, die besonders in den deutschsprachigen Ländern beliebt war und daher ihren Namen bekam. Dabei wurden Muster und Figuren in weißem Leinenfaden auf weißem Leinengrund gestickt, was die "Deutsche Arbeit" zur „günstigen“ Stickerei machte, da heimisch angebautes Material verwendet werden konnte. Selten kamen auch helle, farbige Seide oder Wolle für Konturen oder Akzente zum Einsatz. Um Struktur in die monochrome Stickerei zu bringen wurden verschiedene gezählte Stickmuster sowie Musterbänder im orientalischem Flechtstich eingesetzt. Auch Hohlsäume un...

Kittel, Kleid & Klasse / a teaching commitment

Geschrieben in Veranstaltungen am 17.02.2017 von Eva-Maria

Vor Weihnachten war vrouwen maere eingeladen, als Wissensvermittler tätig zu sein und bei einem Vortrag in der Höheren Lehranstalt für Mode ("Modeferrari") in Innsbruck über die Entwicklung der Mode im 14. Jahrhundert zu referieren. Nach einer schokoladegestützten Aufwärmrunde zum allgemeinen Wissensstand über Stoffarten und Kleidungsstücke des Mittelalters lauschte die zweite Klasse des Modeschwerpunktes den Ausführungen von Eva-Maria, die über Trends in der Frauen- und Männermode im 14. Jahrhundert berichtete und anhand von Bildbeispielen und Statuen auf die modischen Details, die Unterschi...

Hinter dem Vorhang / backsides of embroideries

Geschrieben in Sticken am 14.02.2017 von Eva-Maria

Auf Wunsch eines Lesers/einer Leserin zeige ich heute einen Teil der Stickerei, der normalerweise verborgen bleibt - die Rückseite. Hier ist je nach Technik mal mehr, mal weniger zu sehen. So gibt es ja einige Stickstiche, die speziell dafür gemacht sind, das Fadenmaterial so sparsam wie möglich und fast ausschließlich auf der Vorderseite zu verwenden. Der Bayeux Stich und der Klosterstich sind hier die besten Beispiele, über die ich bereits einen Artikel geschrieben habe. Andere Techniken haben nahezu den gleichen Fadenverbrauch auf Vorder- und Rückseite. Hier sind der Ziegelstich, der Zopfst...

Ein kreisrundes Porträt / a portrait in a roundel

Geschrieben in Sticken am 09.02.2017 von Eva-Maria

Inspiriert vom goldenen Einhorn trat ein Darstellerkollege mit einem Stickauftrag an mich heran. In einer steirischen Kleiderordnung von 1336 hatte er einen Hinweis darauf gefunden, dass kleine gestickte Bilder als Schmuckelemente der Kleidung getragen wurden. Die Quelle beschrieb dies folgendermaßen: "... andere trugen auf der linken Seite der Brust Porträts ..." oder "...wieder andere trugen auf der Brust einen Einsatz von anderem Tuch mit silbernen oder seidenen Buchstaben bestickt". Nach einigen Überlegungen, welche Variante wohl am besten zu realisieren wäre, einigten wir uns auf ein gest...

Hilfe, ich bin eine Elster / I think I am a magpie

Geschrieben in Sticken am 02.02.2017 von Eva-Maria

Ich muss wohl ein Gen des schwarz-weißen Rabenvogels in mir haben, der sich magisch von glitzernden Sachen angezogen fühlt. Anders kann ich mir meine Obsession mit dem Goldfaden nicht vorstellen. Nach langen Stunden des Festnähens (und ja, ich hab noch davon geträumt) ist die erste Seite für die Rekonstruktion des Almosenbeutels aus dem Met Museum endlich fertig. Die Fotos tun dem Goldfaden allerdings nicht Genüge - in Echt glänzt und funkelt er so, dass es eine wahre Freude ist. Ich kann kaum aufhören, die Stickerei zu bewundern (da kommt wohl wieder die Elster in mir ins Spiel). Aber noch i...

Schloss Rodenegg und die Tafelrunde / Castle Rodenegg and the Table Round

Geschrieben am 23.01.2017 von Eva-Maria

Freskendarstellungen, die sich mit weltlichen oder ritterlichen Themen beschäftigen, sind ja eher selten. Für den deutschen Sprachraum besonders hervorzuheben ist der Freskenzyklus zum Iwein-Epos von Hartmann von Aue, der als die älteste profane Wandmalerei im deutschen Sprachraum gilt (geschaffen zwischen 1200 und 1230) und auf Schloss Rodenegg nahe Brixen / Südtirol zu finden ist. Die 11 Bilder, welche sich in der Trinkstube des Schlosses befinden, erzählen die Sage des Iwein, einer der zwölf Ritter der Tafelrunde am Hofe König Artus. Auffallend ist, dass die Bilder nur Szenen aus dem ersten...

gefüllt mit gesponnenem Gold - oberflächliche Anlegetechnik / filling the forms with spun gold - surface couching

Geschrieben in Sticken am 12.01.2017 von Eva-Maria

Am Almosenbeutel mit Fabelwesen tut sich etwas. Ich habe begonnen, die tierischen Mischwesen mit Goldfaden auszufüllen. Dabei bediene ich mich der oberflächlichen Anlegetechnik. Das bedeutet, dass ich den 22-karätigen Goldfaden auf die zu füllende Fläche lege und mit einem farblich passenden Seidenfaden Schritt für Schritt festnähe (Video Tutorial, bebildertes Tutorial). Dabei achte ich darauf, dass die Haltestiche diagonale Linien bilden (es wären auch andere Muster wie zB Zick-Zack, Rauten, Blumen oder ein Ziegelmuster möglich). Da der Goldfaden so dünn ist, verwende ich immer zwei Fäden gle...

"wie man richtig nesteln macht" - Anleitungen zum Fingerschlaufenweben / "set your bovves upon your hands" - tutorials on fingerloop braiding

Geschrieben in Links am 09.01.2017 von Eva-Maria

Nestelbänder waren im (Spät)Mittelalter aus keinem Haushalt wegzudenken. Sie dienten zum Annesteln der Beinlinge an die Brouche, als Kleidungsverschluss, als Taschen- und Besteckaufhängung oder einfach nur dazu, Sachen zusammenzubinden. Für Almosenbeutel waren sie essentiell und wurden gerne auch als Verzierungen verwendet. Nestelbänder konten aus Seide, Wolle oder Leinen gefertigt werden, mit Gold- und Silberfaden durchwirkt sein und in einer Vielzahl einfacher bis komplexer Muster gewebt werden. Wenn mehrere Nestelmacher/innen zusammenarbeiteten, konnten Bänder mit über 30 Schlaufen und eing...