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Ausmalen mit Fäden - Bayeux Stich & Klosterstich / colouring in with threads - Bayeux & cloister stitch

Geschrieben in Sticken am 12.12.2016 von Eva-Maria

Sowohl der Bayeux-Stich als auch der Klosterstich gehören zu den Anlegetechniken (d.h. der Faden wird auf die zu füllende Fläche gelegt und mit Haltestichen festgenäht) und sind Sticharten, die das damals teure Fadenmaterial an der Oberseite der Stickarbeit hielten und somit ökonomisch einsetzten. Weiters ließen sich damit schnell große Flächen füllen, weshalb beide Techniken gerne für Wandbehänge eingesetzt wurden. Der berühmte Teppich von Bayeux, der auf 68 Metern Länge die Eroberung Englands zeigt, ist in der nach ihm benannten Technik gearbeitet. Klosterstich hingegen erhielt seinen Namen...

wer nit zöpf und schaiteln trüg als die frawen nach ir art / a hairstyle after the Tacuinum Sanitatis manuscript

Geschrieben in Alltag, Kleidung am 30.11.2016 von Eva-Maria

Schon länger wollte ich eine Frisur ausprobieren, die im Tacuinum Sanitatis (zB Bild 037, BNF_NAL1673_ca1390) häufig zu sehen ist. Dazu benötigte ich zuerst jedoch ein Band, mit dessen Hilfe die Haare quasi an den Kopf "genäht" werden können. Meine IG14-Kollegin von den Wienischen Handwercluiten hat bereits ein ähnliches Haarband mit einem Webkamm hergestellt und ihre Versuche, die Frisur zu rekonstruieren, im Blog dokumentiert. Ich wollte mein Band mit der Fingerschlaufen-Webtechnik (Fingerloop) herstellen und hab mich dazu an die Anleitung für Band Nr. 38. A grene Dorge aus "Tak V bowes dep...

Ein Arm greift den Anderen - Zopfstich / one stitch hugs the other - long-armed cross stitch

Geschrieben in Sticken am 18.11.2016 von Eva-Maria

Der Zopfstich ist eine frühe Form des Kreuzstichs, welchen es in der heutigen Ausprägung im Mittelalter noch nicht gab. Beim Zopfstich (auch "Langarmiger Kreuzstich") wird ein Arm des Kreuzstiches verlängert, sodass die einzelnen Stiche sich überlappen und ein Muster ergeben, das wie gestrickt wirkt. Eine Besonderheit der mittelalterlichen Zopfstickerei ist, dass die Reihen die Stickrichtung verändern können zB kann das Motiv von links nach rechts gearbeitet sein, der Hintergrund aber von oben nach unten. Auch ein Richtungswechsel an Ecken oder diagonale Stichführung sind möglich und wurden an...

Die Geschichte vom Braunkäppchen - Teil 1 / how I became little brown riding hood - part 1

Geschrieben in Nähen am 10.11.2016 von Eva-Maria

Schon länger schwebte mir die Idee vor, aus dem Reststoff meines Herjolfsnes-Arbeiterkleides eine Gugel zu fertigen. Immerhin sprechen Schriftbelege* von einem kompletten Set von Kleidungsstücken, die aus demselben Stoff gemacht wurden. (Dieses Set wurden lt. Lehnart als „Robe“ bezeichnet - erst im 2. Drittel des 14. Jahrhunderts wandelte sich die Bedeutung vom 3 - 5teiligen Kleiderset zum langen Obergewand); Auch für meine Darstellung als Handwerkerin wäre es plausibel, den kostbaren Stoff, den meine mittelalterliche Persönlichkeit ggf. als Bezahlung erhalten hätte, bis zum letzten Fetzen zu...

Bezugsquellen für Stickzubehör / online-shops for embroidery materials

Geschrieben in Links am 03.11.2016 von Eva-Maria

Wer sich mit historischer Stickerei beschäftigt merkt bald, dass die benötigten Materialien kaum im heimischen Handarbeitsladen zu bekommen sind. Abhilfe kann hier die wunderbar vernetze Welt des Internets schaffen. Ich präsentiere euch meine liebsten Bezugsquellen für Stickzubehör! If you try your hand at historic embroidery you'll soon discover that your local crafts store hardly ever caters the required materials. Enter the amazing possibilities of world-wide online-shopping! I hereby present my tried and true online sources for embroidery materials. Sartor, CZ Der tschechische Händler...

Mischwesen und Minnesang - Ziegelstich / creatures and courtly love - brick stitch

Geschrieben in Sticken am 27.10.2016 von Eva-Maria

Der Zauber der Almosenbeutel lässt mich nicht mehr los. Nach der Rekonstruktion eines Reliquienbeutels habe ich mein nächstes Stickprojekt begonnen. Dieses Mal wird ein Almosenbeutel nachgearbeitet, der im Met Museum (Accession Number: 27.48.3) ausgestellt ist. Reizvoll daran finde ich die beiden unterschiedlichen Motive: auf der einen Seite sind fantastische Mischwesen abgebildet, die zweite Seite zeigt eine höfische Minneszene unter einem Baum. Neben der relativ "schlampigen" Stickerei mit großen Ziegelstichen kommt auch Goldfaden großflächig auf dem 20 x 17 cm großen Beutel zum Einsatz. Das...

Krumme Krapfen - Leckeres in Hufeisenform / crooked crullers - fried horseshoes

Geschrieben in Kochkunst, Rezepte am 19.10.2016 von Eva-Maria

Eines der ersten Rezepte, das ich je auf einem Mittelalterlager kochte, waren wohl die "Krummen Krapfen". Sie sind einfach zu machen, schmecken gut und sehen ansprechend aus. Wo sonst gibt es ein Essen in Hufeisenform, wenn nicht im Mittelalter *grins*. Jedenfalls gehören sie noch immer zu meinen Lieblingsgerichten und so habe ich sie mir vor Kurzem mal wieder gegönnt - mit Weichsel- und Zwiebelsauce, wie es sich gehört.  One of the first medieval recipies I ever tried were the "crooked crullers", a fried pastry made of cheese, eggs and flour that's made to look like a horseshoe. It's still on...

Ein "herziger" Anhänger / a heart-shaped pendant

Geschrieben in Sticken am 11.10.2016 von Eva-Maria

Ich hatte mal wieder Lust, was Schnelles zu sticken. Da kam mir der kleine herzförmige Scherenanhänger von Anna Scott Embroidery gerade recht. Das Tutorial hat keine Fragen offen gelassen und das Herz machte dank der drei verwendeten Basisstiche (Kettenstich, Plattstich und Knötchenstich) richtig Spaß zu Sticken. Zwar habe ich etwas länger als die angekündigte "Embroidery Hour" gebraucht, bin dann aber mit einem Lächeln vom Arbeitstisch aufgestanden. Nun ziert der "herzige" Anhänger meine mittelalterliche Schere und kommt bei jenen Handwerksvorführungen zum Einsatz, die nicht 100% authentisch...

sô siht man die frouwen tragen ouch die gugel für gebant / medieval hoods and female wearers

Geschrieben in Kleidung am 07.10.2016 von Eva-Maria

Obwohl die Gugel zwischen 1335 und 1380 das modische Accessoire schlechthin in der Männermode darstellte, taucht sie im gleichen Zeitraum kaum in Abbildungen mit weiblichen Trägerinnen auf. Der österreichische Spruchdichter Heinrich der Teichner schrieb in einem seiner spöttischen Gedichte "sô siht man die frouwen tragen ouch die gugel für gebant" und beklagt, dass sich damit die Unterscheidung der Geschlechter verwischt. Also scheint die Gugel als Bestandteil der Frauenkleidung zumindest zeitweise Gebrauch gewesen zu sein, allerdings nicht als etabliertes weibliches Kleidungsstück.  Quelle: D...

Lirum Larum Löffelstil / trying my hands on spoon carving

Geschrieben in Alltag am 30.09.2016 von Eva-Maria

Anfang Jänner habe ich meine Komfortzone verlassen und mich an ein ganz andreres Material gewagt - Holz. Für jemanden wie mich, der gerne mit Fäden und Stoffen hantiert, war es unglaubliches Neuland, diesen Werkstoff in den Händen zu halten und dann auch noch zu bearbeiten. Jedenfalls habe ich mich an Holzschnitzarbeiten versucht und einen Löffel nach dem Vorbild des Fundes von Schloss Runkelstein, datiert auf das 15. Jhdt., gefertigt. Ohne passendes Löffelschnitzmesser ist es zwar mühselige Kleinarbeit, die Laffe zu formen, am Ende hat es dann aber geklappt. Dabei hab ich mich nicht einmal in...