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Ein "herziger" Anhänger / a heart-shaped pendant

Geschrieben in Sticken am 11.10.2016 von Eva-Maria

Ich hatte mal wieder Lust, was Schnelles zu sticken. Da kam mir der kleine herzförmige Scherenanhänger von Anna Scott Embroidery gerade recht. Das Tutorial hat keine Fragen offen gelassen und das Herz machte dank der drei verwendeten Basisstiche (Kettenstich, Plattstich und Knötchenstich) richtig Spaß zu Sticken. Zwar habe ich etwas länger als die angekündigte "Embroidery Hour" gebraucht, bin dann aber mit einem Lächeln vom Arbeitstisch aufgestanden. Nun ziert der "herzige" Anhänger meine mittelalterliche Schere und kommt bei jenen Handwerksvorführungen zum Einsatz, die nicht 100% authentisch...

sô siht man die frouwen tragen ouch die gugel für gebant / medieval hoods and female wearers

Geschrieben in Kleidung am 07.10.2016 von Eva-Maria

Obwohl die Gugel zwischen 1335 und 1380 das modische Accessoire schlechthin in der Männermode darstellte, taucht sie im gleichen Zeitraum kaum in Abbildungen mit weiblichen Trägerinnen auf. Der österreichische Spruchdichter Heinrich der Teichner schrieb in einem seiner spöttischen Gedichte "sô siht man die frouwen tragen ouch die gugel für gebant" und beklagt, dass sich damit die Unterscheidung der Geschlechter verwischt. Also scheint die Gugel als Bestandteil der Frauenkleidung zumindest zeitweise Gebrauch gewesen zu sein, allerdings nicht als etabliertes weibliches Kleidungsstück.  Quelle: D...

Lirum Larum Löffelstil / trying my hands on spoon carving

Geschrieben in Alltag am 30.09.2016 von Eva-Maria

Anfang Jänner habe ich meine Komfortzone verlassen und mich an ein ganz andreres Material gewagt - Holz. Für jemanden wie mich, der gerne mit Fäden und Stoffen hantiert, war es unglaubliches Neuland, diesen Werkstoff in den Händen zu halten und dann auch noch zu bearbeiten. Jedenfalls habe ich mich an Holzschnitzarbeiten versucht und einen Löffel nach dem Vorbild des Fundes von Schloss Runkelstein, datiert auf das 15. Jhdt., gefertigt. Ohne passendes Löffelschnitzmesser ist es zwar mühselige Kleinarbeit, die Laffe zu formen, am Ende hat es dann aber geklappt. Dabei hab ich mich nicht einmal in...

Sticken nach mittelalterlichen Mustern / authentic medieval embroidery patterns

Geschrieben in Links am 26.09.2016 von Eva-Maria

Wer auf der Suche nach authentischen mittelalterlichen Stickmustern ist, für den hat die digitale Welt des Internets einiges zu bieten. Ob bebilderte Online-Datenbanken von Museumsbeständen, Fotoarchive von erhaltenen historischen Stickereien oder die detaillierte Musterbeschreibung eines Originals - in den Weiten des WWW ist einiges zu finden, was das Sticker-Herz begehrt. Gerne teile ich mit euch meine Link-Sammlung zum Thema "Sticken nach mittelalterlichen Mustern". If you're searching for authentic medieval embroidery patterns, the internet is full of digital wonders. From image databases...

grīse loden & bunte tuoche - regionale Stoffe kleiden das Land

Geschrieben in Alltag am 20.09.2016 von Eva-Maria

Wolle und Leinen waren in Tirol ein wichtiges bäuerliches Zinsgut; Urbare (Zinsgüterverzeichnisse) vom 13. bis zum 15. Jahrhundert und anlässlich von Erbschaftsabhandlungen und Verpachtungen aufgenommene Inventare sind voll von diesbezüglichen Hinweisen. (Vielfach wird ein 'pannus lineus' oder ein 'Pannus laneus' erwähnt). Die Schwaighöfe in Enneberg mussten dem Stift Sonnenburg, dem sie gehörten, in den Jahren 1296 bis 1315 die gesamte Wolle von 368 Schafen abliefern. Zentren nicht nur der Woll-, sondern auch der Leinenproduktion waren die Ämter Petersberg (Silz) und Nauders im Oberinntal. A...

Resteverwertung textiler Art - Opus Consutum / what to do with fabric scraps

Geschrieben in Sticken am 14.09.2016 von Eva-Maria

Wie ihr sicherlich bereits wisst, war Stoff im Mittelalter ein kostbares Gut. Die Produktion war mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden (siehe Blog-Serie zur Textilproduktion) und dementsprechend sorgsam wurde mit dem fertigen Stoffballen umgegangen:  Kleidung wurde möglichst sparsam zugeschnitten, bei Bedarf umgenäht und generell bis zum letzten Fetzen verwertet. Auch die Stoffreste, die beim Zuschnitt anfielen, fanden noch ihre Bestimmung. Jene, die zu klein waren, um noch zu etwas vernäht werden zu können aber qualitativ zu gut, um sie dem Lumpensammler zu übergeben, wurden gerne für OPUS...

wo wëberschiffelîn stân nit still - Textilproduktion im mittelalterlichen Tirol

Geschrieben in Alltag am 09.09.2016 von Eva-Maria

Die frühesten Nennungen von Textilhandwerkern in Tirol finden sich im 13. Jahrhundert in den Städten Bozen, Meran, Innsbruck, Brixen und Bruneck, da sich dort durch die entsprechende Nachfrage und durch die regelmäßig stattfindenden Märkte spezialisierte Gewerke entwickeln konnten. Das Herstellen von Textilien und Kleidung erfolgte hier oft durch Frauen in Heimarbeit, wie aus einem Steuerverzeichnis der Bamberger Eigenleute im Vinschgau von 1307 hervorgeht, in dem mehrere Weberinnen genannt sind. Zahlreiche Handwerker lassen sich auch in Bozen nachweisen: Die Stadt bildete mit den seit 1202 n...

Lebendige Stiche - Opus Anglicanum / learning "Englisch Work"

Geschrieben in Sticken am 06.09.2016 von Eva-Maria

Die kunstvollste Form der Stickerei war im Mittelalter das OPUS ANGLICANUM. Diese Technik der Nadelmalerei, die vor allem in England in der Zeit zwischen 1250 und 1350 zur Meisterschaft gebracht wurde, ist auch heute noch dermaßen faszinierend, dass ihr das Victoria & Albert Museum in London eine eigene Ausstellung widmet. "Opus Anglicanum: Masterpieces of English Medieval Embroidery" zeigt vom 01. Oktober 2016 bis 05. Februar 2017 die Highlights dieser Sticktechnik. Erstmals werden über 100 Exponate gemeinsam ausgestellt, die sonst über Museen in ganz Europa verstreut sind. Wer also zu dieser...

ein wüllîn röckelîn - Vom Schaf zum Wollstoff

Geschrieben in Alltag am 02.09.2016 von Eva-Maria

Schafzucht ist im Gebiet des heutigen Südtirol seit der jüngsten Steinzeit nachzuweisen. Die hochgelegenen und kargen Alpengebiete (in Südtirol liegen 40% des Landes über 2000 m) eigneten sich besonders für die Haltung von Schafen. Die größten Schafherden gab es im Pustertal, vor allem in der Gegend von Lienz und Sillian und im Tauferer Tal, während die feinste Wolle aus dem Schnalstal und den ladinischen Bezirken wie Abtei, Fassa und Buchenstein kam. Zusammen mit dem oberen Vinschgau und der Sterzinger Gegend zählte das Pustertal mit seinen Seitentälern früher zu den wichtigsten Schafzuchtge...

Auch Drachen geben Pfote / A well-behaved dragon

Geschrieben in Sticken am 30.08.2016 von Eva-Maria

Historische Sticktechniken eignen sich nicht nur für Rekonstruktionen von mittelalterlichen Originalen, sondern durchaus auch für moderne Projekte. Die derzeit so angesagten Tote Bags (zu deutsch: Einkaufsbeutel) erhalten dank gestickter Verzierung einen unverwechselbaren "Look". Die hier vorgestellte Tasche war ein Geschenk für meine vrouwen maere-Kollegin Hanna und kombiniert - richtig schön nerdig - historische Handarbeit mit einem Herr-der-Ringe-Zitat. Da lacht das Reenactor-Herz! Und sieht es nicht süß aus, wie der Drache sein Pfötchen gibt? Historic needlework techniques are not only us...