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Meine kleine Schönheit, mein Schaaatz! / My silky beauty, my preciousss!

Geschrieben in Sticken am 02.05.2016 von Eva-Maria

So langsam kann ich Gollum verstehen. Wenn man sich intensiv mit einem Ding beschäftigt, tendiert man dazu, es als Kleinod, eben als "Precious" zu sehen. Mir geht es jedenfalls mit dieser kleinen Schönheit, dem Reliquienbeutel aus der St.-Vinzent-Kirche in Soignies, Belgien so, den ich in den vergangenen Wochen rekonstruiert habe. Die Fortschritte und die Details, die dabei zu beachten waren, sowie meine Erfahrungen mit den einzelnen Arbeitsschritten können in den anderen Posts der Blog-Serie nachgelesen werden. Nun endlich ist das seidene Kunstwerk fertig und bereit für die Öffentlichkeit. I...

Überlegungen zum Überkleid / some thoughts about surcots

Geschrieben in Kleidung am 29.04.2016 von Eva-Maria

Für meine Darstellung einer Stickerin habe ich mich gefragt, was eine solche Person wohl als Festtagskleidung getragen haben mag. Ich besitze bereits eine Cotehardie mit Frontschnürung und Messingknöpfen an den Ärmeln, die von der Farbe her einer doppelten Krappfärbung entspricht. Nun hätte ich - der Vollständigkeit halber - gerne noch ein Überkleid, dazu. Diese Schicht wird in mittelalterlichen Quellen als Surcot bezeichnet und ist die Modeschicht. Da sie nicht zwingenderweise erforderlich ist, um am sozialen Leben teilzunehmen, ist sie zumeist representativ für den Stand der Person bzw. für...

Die Kunst mit Nadeln zu malen

Geschrieben in Sticken, Veranstaltungen am 26.04.2016 von Carmen

Am letzten Sonntag waren wir von vrouwen mære im Museum Tiroler Bauernhöfe in Kramsach, Tirol eingeladen, um dort eine Handwerksvorführung zum Thema "Mittelalterliches Sticken" zu geben. Leider wollte das Wetter nicht so recht mitspielen, und Temperaturen um den Gefrierpunkt sowie abwechselnd Regen, Sonne und Schneefall haben leider die großen Besucherströme abgehalten ins Freilichtmuseum zu kommen. Trotz alledem konnten wir doch einigen interessierten Besuchern aus Tirol, Holland und sogar Kalifornien einen Einblick in die Mittelalterlichen Sticktechniken geben und mit Eva-Marias wunderbaren...

Tasseln aus dem Morgenland / Tassels from Turkey

Geschrieben in Sticken am 25.04.2016 von Eva-Maria

Die meisten denken bei Türkenbund ja an eine farbenprächtige europäische Lilie. Für mich als Stickerin gibt es dazu noch eine zweite Assoziation - die Verzierung von Tasseln an mittelalterlichen Almosen- & Reliquienbeuteln. So weisen eine Vielzahl der erhaltenen Exemplare eben jenen charakteristischen Knoten am Kopfende der Tassel auf, der als Türkischer Bund (engl. Turk's Head Knot) bezeichnet wird - auch der kleine Reliquienbeutel aus der Eglise Saint-Vincent in Soignies, Belgien, den ich aktuell rekonstruiere. Nachdem ich die benötigte Seidengimpe hergestellt hatte, konnte ich nun die Tasse...

Die Seiten schließen sich / adorning the sides

Geschrieben in Sticken am 19.04.2016 von Eva-Maria

Nun endlich nimmt der Beutel selbst Gestalt an. In den vergangenen Tagen habe ich die Seiten zusammengenäht und die erste Nahtverzierung angebracht. Jetzt erst wird mir bewusst, wie klein der fertige Reliquienbeutel wirklich ist. Hier ist eine Dokumentation der letzten Arbeitsschritte: The reliquary pouch continues to take shape. During the last days I sewed the sides together and applied the first decoration. Only now I realize how tiny the finished pouch really is. Here's the documentation of the latest working steps:  

Geduldsarbeit mit Gimpe / wrapping silk gimp by hand

Geschrieben in Sticken am 11.04.2016 von Eva-Maria

"Mühsam nährt sich das Eichhörnchen" heißt ein Spruch, dessen Wahrheitsgehalt ich nach diesem Wochenende bestätigen kann. Langsam und nur Stück für Stück bekomme ich die Einzelteile für meine Rekonstruktion eines Reliquienbeutels zusammen. Damit ich die Tasselverzierung mit einem Türkischen Bund (engl. Turk's Head Knot) machen kann, habe ich mich in der Herstellung von seidener Gimpe (engl. silk gimp) versucht. Wer jetzt nicht weiß, was er darunter zu verstehen hat - hier eine Erklärung: Die Gimpe gehört zu den Posamenten. Es handelt sich um eine feine Zierschnur, für die eine relativ minderwe...

so wil sein weib ein sloyr haben

Geschrieben in Kleidung am 07.04.2016 von Eva-Maria

Der Schleier war ein wesentlicher Bestandteil der Frauenkleidung des Mittelalters und ein Zeichen für eine verheiratete, ehrbare Frau. Ohne Kopfbedeckung wäre keine respektable Frau aus dem Haus gegangen. Ursprünglich aus religiösen Gründen getragen, wandelte sich der Schleier schnell zum modischen Accessoire, das im Laufe der Zeit einigen Wandel durchlief. So drückte die Kopftracht auch den sozialen Stand der Trägerin aus. Eine arbeitende Magd trug schon aus praktischen Gründen eine andere Art von Schleier als eine wohlsituierte Bürgerin oder adelige Dame, deren Kopfbedeckung zugleich auch St...

10, 5, 2 - ist keine Hexerei / getting the hang on fingerloop braiding

Geschrieben in Sticken am 04.04.2016 von Eva-Maria

Ich war bisher immer der Meinung, dass man zum Fingerschlaufenweben magische Kräfte braucht. Angeblich sollen es Volksschulkinder lernen können, für mich war es jedenfalls ein großes, verwirrendes Rätsel bzw. ein einziges Schlaufenwirrwarr. Zum Glück hat sich der Knoten in meinem Gehirn nun gelöst und ich habe die Geheimnisse des Fingerschlaufenwebens ergründet. 10 Finger, 5 Schlaufen und diese Anleitung ergaben zwei flache Bänder. Juhuu! Das Anfängerlevel ist geschafft - war doch keine Hexerei. I always thought that one needed magical talents to produce fingerloop braids. Supposedly, pupils i...

Ich hab was Seidenes vor / something silky is in the air

Geschrieben in Sticken am 01.04.2016 von Eva-Maria

Dieses Wochenende möchte ich endlich die Fertigstellung meiner Rekonstruktion des Reliquienbeutels aus der Eglise Saint-Vincent in Soignies, Belgien angehen. Dank des ausgezeichneten Musters von Medieval Silkwork sind die Stickarbeiten gut von der Hand gegangen. Die restlichen Zutaten für den Beutel liegen bereit, die Recherche zu den verwendeten Techniken ist abgeschlossen und der Zusammenbau des seidenen Kleinods (Der fertige Beutel ist kaum 7 x 7 cm groß) kann beginnen. Ich bin schon gespannt, wie ich mich bei für mich neuen Sachen wie dem Fingerschlaufenweben oder der Herstellung eines Tü...

Facelift für den Frauenmantel

Geschrieben in Nähen am 30.03.2016 von Eva-Maria

Da ich schon länger überlege, meinen Mantel zu überarbeiten und es - zumindest im reenactmenttechnischen Bereich - für mich immer noch Winter ist, habe mich mich die letzten paar Wochen an Schere und Nadel gewagt und den Plan in die Tat umgesetzt. Mein bisheriger Mantel bestand aus einem Halbkreis, der aus drei jeweils 38cm breiten Bahnen zusammengesetzt war und mir etwa bis zum Knie reichte. Er hatte keinen Halsausschnitt und wurde vorne mittels Nestelschnur und zwei Nestellöchern je Seite geschlossen. Da die regionalen Bildquellen für Frauen jedoch generell bodenlange Mäntel abbilden, muss...