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den har spinnen - Verarbeitung von Flachs zu Leinen

Geschrieben in Alltag am 22.08.2016 von Eva-Maria

In der bäuerlichen Hauswirtschaft gab es vornehmlich drei Faserlieferanten: das Schaf, den Flachs und den Hanf. Alle drei Rohstoffe wurden meist auf dem eigenen Hof produziert und dort versponnen und zu Tuch verarbeitet. Der Bauersfrau fiel im Rahmen der Textilherstellung nicht nur das Spinnen und Weben selbst zu, sondern der gesamte Herstellungsprozess von der Gewinnung der Rohstoffe bis zu den fertig hergestellten Kleidern lag in ihren Händen. Die so hergestellten Stoffe dienten einerseits als Zinsgut für den Grundherrn, andererseits als Handelsware für den städtischen Markt (und brachten d...

Ein Traum in Rosa / A study in pink

Geschrieben in Nähen am 12.08.2016 von Eva-Maria

Nach unzähligen Nadelstichen ist der rosa Surcot für den Sonntagsstaat meiner Stickerinnendarstellung nun endlich fertig. Gemäß den Bildquellen hat er weitere Ärmel, die leicht zurückgeschoben werden können, um die Hände zum Arbeiten frei zu haben (ein nicht unwesentlicher Punkt für eine Handwerkerin, auch wenn sonntags üblicherweise nicht gearbeitet wird). Das Kleid ist figurnah als Schlupfkleid ohne Verschluss gearbeitet, hat Beutelschlitze in den vorderen Seitennähten und Überbodenlänge. Der Auschnitt ist recht moderat, die Farbe dafür jedoch modisch. Es könnte um den Torso etwas enger sitz...

Gebete am laufenden Band / prayer beads on a string

Geschrieben in Alltag am 09.08.2016 von Eva-Maria

Da Religion eine bedeutende Rolle im Leben des mittelalterlichen Menschen spielte, ist es nicht verwunderlich, dass sich auch religiöse Gebrauchsgegenstände zu Statussymbolen weiterentwickelten. So passiert beim Paternoster - der Gebetskette, die als Vorläufer des modernen Rosenkranzes gilt - und der ursprünglich nur zum Abzählen der "Vater Unser" und "Ave Maria" diente. Da die Kette allerdings offen am Gürtel getragen wurde, bot sie die perfekte Gelegenheit, zugleich auch finanziellen Wohlstand zur Schau zu stellen, z.B. durch teure Materialien wie Koralle oder Bergkristall. Der obere Paterno...

Die Krux mit der Kurve / conquering the sleeve head

Geschrieben in Nähen am 03.08.2016 von Eva-Maria

Wer mich kennt weiß, dass ich mit Ärmeln an mittelalterlichen Kleidern so meine liebe Note habe. Das liegt daran, dass ich bisher nicht wirlich verstanden habe, wie die S-Kurve am Ärmelkopf gestaltet sein muss, um einerseits eine enge, faltenlose Passform zu erreichen und andererseits auch die Beweglichkeit des Arms zu ermöglichen. Ich habe zwar - dank des Tutorials von By my Measure - ein halbwegs funktionierendes Schnittmuster, muss das aber für jedes Kleid wieder neu anpassen. So auch beim rosa Surcot für den Sonntagsstaat meiner Stickerinnen-Darstellung. Hier musste der Ärmelkopf verändert...

Neue Nadeln braucht das Land / addition for my pin collection

Geschrieben in Nähen am 27.07.2016 von Eva-Maria

Getreu dem Motto der Überschrift hat meine Nadelsammlung Zuwachs bekommen. Schließlich kann "frau" nie genügend Nadeln haben - sei es zum Feststecken des Schleiers oder als unentbehrliche Nähhelfer. Die neuen metallenen Schönheiten (3. Set von links) wurden von Toni Schöndorfer gefertigt und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Die Steck-/Gebendenadeln sind 4 cm lang mit einer Drahtstärke von 1 mm aus Messingdraht gefertigt. Eine Besonderheit der mittelalterlichen Stecknadeln sind ihre Köpfe. Hier wird der Draht um sich selbst geschlungen und damit ein Abschluss für die Nadel geformt. Gan...

diu kleider edel unde rîch trag vorne mit der hende enbor

Geschrieben in Veranstaltungen am 22.07.2016 von Eva-Maria

Als Teil eines Lebendigen Museums ist vrouwen mære vom 06.-07. August 2016 im Museum Tiroler Bauernhöfe in Kramsach zu Gast. Unter dem Schwerpunkt "Mode & Textilproduktion im mittelalterlichen Tirol' wird dort im Gelände rund um den historischen Ötztaler Hof das Mittelalter wieder lebendig. Hier können Sie das Programm herunterladen! Erleben Sie den Alltag eines Haushalts aus der damaligen Zeit, schnuppern Sie die Düfte historischer Köstlichkeiten und erfahren Sie in interaktiven Präsentationen mehr zu Mode und Textilkünsten des 14. Jahrhunderts. Ob wirtschaftliche Aspekte der Textilprodukti...

Das Spitze muss ins Schlitzige / how to insert a gore

Geschrieben in Nähen am 19.07.2016 von Eva-Maria

Normalerweise muss das Runde ja ins Eckige (behaupten zumindest die Fußballfans unter uns) - bei mittelalterlichen Kleidungsstücken sieht das allerdings anders aus. Hier liegt die Schwierigkeit darin, die Spitze der (meist dreieckigen) Gere sauber in den Schlitz des Vorder- und Rückenteils einzupassen. Besonders hilfreich finde ich dazu das Tutorial von The Fabric of my Life. Ich handhabe das Einsetzen genau nach dieser Anleitung und das klappt auch mit Handnaht super. Ein weiteres empfehlenswertes Tutorial stammt von La Cotte Simple, das eine änliche Technik beschreibt.  Jedenfalls habe ich n...

Von Wittiben & alten Weibern

Geschrieben in Alltag am 08.07.2016 von Eva-Maria

Im bäuerlichen Milieu hatte die Frau nach dem Tod des Ehegatten nur wenige Entscheidungsmöglichkeiten - ,,frei zu sein" konnte sie sich zumeist aus wirtschaftlichen Überlegungen nicht leisten. Vor allem wenn man bedenkt, welch umfangreiches Aufgabengebiet die bäuerliche Frau auch vor dem Ableben ihres Mannes zu erledigen hatte und welche Tätigkeiten in Zusammenhang mit der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung beim Tod des Bauern der Witwe zufielen, ist es nur schwer vorstellbar, dass eine kleine Hufenbäuerin über einen längeren Zeitraum hinweg alle Arbeiten alleine fortführen konnte. War sie...

sin eliche vrouwe - Die Bäuerin als Gattin & Mutter

Geschrieben in Alltag am 04.07.2016 von Eva-Maria

„Geld zu Geld“ – unter diesem Aspekt wurden bis vor wenigen Jahrzehnten auf dem Land oftmals Ehen geschlossen bzw. arrangiert. Wer einen großen Hof und ensprechende großzügige Feld- und Ackerflächen besaß, trachtete oft danach, diese durch eine günste Verbindung mit einem anderen gutsituierten Bauernhof zu vermehren oder durch eine Zusammenlegung der Flächen zu größeren Einheiten wirtschaftliche & steuerliche Vorteile zu erzielen. Solange auch Frondienst für die Grundherren geleistet werden musste, hatten auch dieser ein Interesse an einer wachsenden Anzahl von Hörigen und dementsprechenden Eh...

Jungfrau, Mutter, Greisin - die Lebensrollen der bäuerlichen Frau

Geschrieben in Alltag am 16.06.2016 von Eva-Maria

Das Leben der Frau am Land war geprägt von unterschiedlichen Anforderungen. Einerseits war sie unverzichtbare Arbeitskraft am Hof, andererseits Gattin, Mutter und Mitglied der dörflichen Gemeinschaft. All diesen Rollen lag ein gesellschaftlicher Verhaltenskodex zugrunde, dessen Einhaltung über das Ansehen der Frau in der Hof- und Dorfgemeinschaft entschied. So waren die Grenzen der persönlichen Freiheit oftmals recht eng gesteckt. In dieser Serie an Blogposts möchte ich mir die unterschiedlichen Rollen, die eine Bäuerin im Laufe ihres Lebens zu erfüllen hatte, genauer ansehen. In Wald und An...