Kategorie: Kleidung

Wie war das mit den Taschen? / And what about pouches?

Geschrieben in Kleidung am 30.11.2017 von Eva-Maria

Da die Kleidung im Mittelalter noch keine eingenähten Taschen kannte, mussten Gegenstände des täglichen Bedarfs anderweitig mitgeführt werden. In der Männermode entwickelten sich zu diesem Zweck verschiedene Formen von Gürteltaschen, die in der Kombination mit Messern sowohl modisches Accessoire wie auch praktischer Aufbewahrungsort diverser Kleinigkeiten (zB Münzen, Löffel, Schlüssel, Paternoster….) waren. Sucht man Accessoires mit dem gleichen Zweck in der Frauenmode, sieht die Sache weniger klar aus. Gürteltaschen wie bei den Männern kommen in der figürlichen Darstellung von Frauen nicht vo...

Farben machen Leute / Color makes the man

Geschrieben in Kleidung am 04.08.2017 von Eva-Maria

Im Beitrag diu werlt was gelf, rôt unde blâ gab ich einen Überblick über Färbepflanzen und die damit erzielbare Farbpalette. Auch habe ich angeschnitten, dass die Farbe der Kleidung ein wichtiger nonverbaler Faktor war, um den sozialen Stand einer Person zum Ausdruck zu bringen - "Farben machen Leute" sozusagen. Welche Kleiderfarben im Mittelalter gebräuchlich waren und ob sie eher Herren- oder Bauernkleidung zierten, darüber gibt die folgende Liste Auskunft. *** Englisch summary at end of text *** Braun: Braun war eine geläufige Kleidungsfarbe, die entweder durch den Naturton der Schafe im S...

Diu werlt was gelf, rôt unde blâ / the world was yellow, red and blue

Geschrieben in Kleidung am 28.03.2017 von Eva-Maria

Pflanzenfarben spielen eine wichtige Rolle bei der Rekonstruktion von Kleidung und anderen Textilien des europäischen Mittelalters. Denn neben dem Schnitt, der Verarbeitung und der Qualität des Stoffes vermittelte auch die Farbe der Kleidung wichtige nonverbale Informationen über Modebewusstsein, Reichtum und sozialen Stand des Trägers/der Trägerin. Generell galt dabei: Je kräftiger und gleichmäßiger die Farbtöne, umso höher der Rang und Wohlstand der betreffenden Person. So verwundert es nicht, dass das Färbereihandwek im Mittelalter bereits hoch spezialisiert war und der Anbau und Handel von...

Von Rüschen und Recherche - der Kruseler/ on ruffles and research - frilled veils

Geschrieben in Kleidung am 27.02.2017 von Eva-Maria

Wer Ende des 14. Jahrhunderts schick sein möchte, kommt an der Kopfbedeckung der bürgerlichen/adeligen Frau kaum vorbei - dem KRUSELER. Dieser rüschenumrahmte Schleier erlebte ab ca. 1350 einen wahren Siegeszug und wurde die modische Hauptzier schlechthin in nahezu allen europäischen Ländern (ausgenommen Süditalien und Teile Frankreichs). Wie genau er konstruiert wurde - ob gewebt, genäht oder gefaltet - darüber streiten sich sowohl die Fach- als auch die Reenactmentwelt. Für mich ist an dieser Stelle allerdings weniger das "Wie gemacht" als das "Welche Form" interessant. So habe ich mich auf...

wer nit zöpf und schaiteln trüg als die frawen nach ir art / a hairstyle after the Tacuinum Sanitatis manuscript

Geschrieben in Alltag, Kleidung am 30.11.2016 von Eva-Maria

Schon länger wollte ich eine Frisur ausprobieren, die im Tacuinum Sanitatis (zB Bild 037, BNF_NAL1673_ca1390) häufig zu sehen ist. Dazu benötigte ich zuerst jedoch ein Band, mit dessen Hilfe die Haare quasi an den Kopf "genäht" werden können. Meine IG14-Kollegin von den Wienischen Handwercluiten hat bereits ein ähnliches Haarband mit einem Webkamm hergestellt und ihre Versuche, die Frisur zu rekonstruieren, im Blog dokumentiert. Ich wollte mein Band mit der Fingerschlaufen-Webtechnik (Fingerloop) herstellen und hab mich dazu an die Anleitung für Band Nr. 38. A grene Dorge aus "Tak V bowes dep...

sô siht man die frouwen tragen ouch die gugel für gebant / medieval hoods and female wearers

Geschrieben in Kleidung am 07.10.2016 von Eva-Maria

Obwohl die Gugel zwischen 1335 und 1380 das modische Accessoire schlechthin in der Männermode darstellte, taucht sie im gleichen Zeitraum kaum in Abbildungen mit weiblichen Trägerinnen auf. Der österreichische Spruchdichter Heinrich der Teichner schrieb in einem seiner spöttischen Gedichte "sô siht man die frouwen tragen ouch die gugel für gebant" und beklagt, dass sich damit die Unterscheidung der Geschlechter verwischt. Also scheint die Gugel als Bestandteil der Frauenkleidung zumindest zeitweise Gebrauch gewesen zu sein, allerdings nicht als etabliertes weibliches Kleidungsstück.  Quelle: D...

Paternoster in Tirol

Geschrieben in Alltag, Kleidung am 12.05.2016 von Eva-Maria

In diesem Blogpost soll es um die Form der Paternoster gehen, die in Tirol verwendet wurden. Für allgemeine Informationen, welche Realien und Funde es zu Paternostern in Europa gibt, verweise ich auf den von Anna Gottschall, University of Birmingham, 2008 veröffentlichen Artikel Prayer Bead Production and use in Medieval England. Darin wird die Vielfalt des Materials für die Gebetsperlen ebenso thematisiert wie die Form der Schnur oder die Anzahl der Perlen. Ich erspare mir daher die Hintergrundinformationen und präsentiere euch gleich meine Überlegungen zur Gestaltung der Gebetsschnur im mitt...

Überlegungen zum Überkleid / some thoughts about surcots

Geschrieben in Kleidung am 29.04.2016 von Eva-Maria

Für meine Darstellung einer Stickerin habe ich mich gefragt, was eine solche Person wohl als Festtagskleidung getragen haben mag. Ich besitze bereits eine Cotehardie mit Frontschnürung und Messingknöpfen an den Ärmeln, die von der Farbe her einer doppelten Krappfärbung entspricht. Nun hätte ich - der Vollständigkeit halber - gerne noch ein Überkleid, dazu. Diese Schicht wird in mittelalterlichen Quellen als Surcot bezeichnet und ist die Modeschicht. Da sie nicht zwingenderweise erforderlich ist, um am sozialen Leben teilzunehmen, ist sie zumeist representativ für den Stand der Person bzw. für...

so wil sein weib ein sloyr haben

Geschrieben in Kleidung am 07.04.2016 von Eva-Maria

Der Schleier war ein wesentlicher Bestandteil der Frauenkleidung des Mittelalters und ein Zeichen für eine verheiratete, ehrbare Frau. Ohne Kopfbedeckung wäre keine respektable Frau aus dem Haus gegangen. Ursprünglich aus religiösen Gründen getragen, wandelte sich der Schleier schnell zum modischen Accessoire, das im Laufe der Zeit einigen Wandel durchlief. So drückte die Kopftracht auch den sozialen Stand der Trägerin aus. Eine arbeitende Magd trug schon aus praktischen Gründen eine andere Art von Schleier als eine wohlsituierte Bürgerin oder adelige Dame, deren Kopfbedeckung zugleich auch St...

Von Knöpfen und (Halb)Kreisen

Geschrieben in Kleidung am 22.03.2016 von Eva-Maria

Bekanntlich tut ein Mantel gute Dienste und ist für jede Mittelalterdarstellung unverzichtbar. Er hält nicht nur Wind und Wetter ab und kann zuweilen als Decke dienen, nein er zeugt auch von sozialem Rang und Modebewusstsein der mittelalterlichen Dame. Nicht umsonst werden Heilige immer mit einem Mantel dargestellt und auch auf Grabplatten und bei der Darstellung von Stifterfiguren werden die hochgestellten Adeligen stets mit dem Mantel bekleidet abgebildet. Dabei sind für Frauen vor allem Tasselmäntel und Nuschenmäntel angesagt. Beide Formen sind zwar sehr kleidsam, jedoch höchst unpraktisch...