Kategorie: Sticken

ein schmucker Zählstich / a brick stitch pendant

Geschrieben in Sticken am 09.11.2017 von Eva-Maria

Dass alt nicht zwangsläufig auch altmodisch bedeutet, zeigt die historische Sticktechnik des Ziegelstichs besonders gut. Zierte diese Variante des Gobelinstichs im Mittelalter vor allem Altardecken, Kissen oder Almosenbeutel, so kann er jedoch auch ein modernes Gesicht zeigen – in diesem Fall als Statementkette. Pflanzlich gefärbte Seide und authentische Muster bringen den historischen Touch in das moderne Accessoire, das so ein Stück Geschichte in ein modisches Outfit integriert. Falls ihr das Schmuckstück nacharbeiten möchtet, gibt es hier eine kleine Linksammlung zu Tutorials & Stickmustern...

Weil ich ein Mädchen bin - Ziegelstich in Pink / 'cause I'm a girl - brick stitch in pink

Geschrieben in Sticken am 02.10.2017 von Eva-Maria

Manchmal muss man einfach seine innere Prinzessin auch mal zu Wort kommen lassen. Dann wird das Farbschema für den neuen Beutel in Ziegelstich-Stickerei eben pink und rosa - passt damit es wenigstens zu meinem Surcot. Das Muster stammt von einem seidenbestickten Beutel, der ca. 1300 in Luik/Maastricht gefertigt wurde, heute in der Schatzkammer van de Sint-Servaaskerk (IV-Nr. 18-4) in Maastricht aufbewahrt wird und das Medieval Silkwork dankenswerterweise online veröffentlich hat. Soweit, so gut - dann folgen jetzt die Bilder. Sometimes you have to let your inner princess speak - and in my cas...

Ost trifft West - ein seidener Beutel / east meets west - a silk pouch

Geschrieben in Sticken am 18.09.2017 von Eva-Maria

Neben aufwendig bestickten Almosen- / Reliquienbeuteln (Beispiel) finden sich in den mittelalterlichen Textilsammlungen der Museen auch Beutel aus Seidenstoffen (Beispiel 1, Beispiel 2). Seidentaffeta, Samte und Brokatstoffe (oft mit Gold- und Silberfäden durchwirkt) scheinen hier die bevorzugte Wahl gewesen zu sein, waren diese Luxustextilien doch gut geeignet, Wohlstand und Status auszudrücken. Wo bei bestickten Beuteln die Stickerei im Mittelpunkt stand, lag der Fokus bei Beuteln aus Stoff auf den Details. So wurden die Seiten beispielsweise aufwendig mit winzigen Türkenkoten aus Gold- bzw....

Geometrische Grazie / geometric gracefulness

Geschrieben in Sticken am 30.08.2017 von Eva-Maria

Nachdem die Stickarbeiten für den Nachbau des Almosenbeutels aus der Bock Collection des V&A abgeschlossen sind, konnte ich kürzlich mit dem Zusammenbau des kleinen Textilkunstwerks beginnen. In diesem Blogpost möchte ich euch daher an den Schritten teilhaben lassen, die nötig sind, um ein Stück Ziegelstich-Stickerei in ein fertiges Accessoire zu verwandeln. After the embroidery work for the alms pouch made after an extant purse from the Bock Collection of V & A has been finished, I started to assemble the little textile work of art. This blogpost will feature the steps needed to turn a piece...

...sol stechen ain Pild von Seiden - Seidennater im spätmittelalterlichen Tirol

Geschrieben in Sticken am 25.07.2017 von Eva-Maria

Der Beruf des Seidenstickers war ein Handwerkszweig im mittelalterlichen Tirol, der mit der Hofhaltung der Habsburger vom 15. – 17. Jahrhundert in Innsbruck seine Blütezeit erlebte. Nichtsdestotrotz waren schon vorher professionelle Seidensticker auf dem Gebiet des heutigen Nord- und Südtirols tätig gewesen. Am Hof der als Tiroler Landesfürsten gemeinsam regierenden Brüder und Herzoge Otto, Ludwig und Heinrich (1295-1310) in Meran wurde bereits aufwändiger Kleiderprunk getrieben. Wenn auch kein Seidensticker erwähnt wird, so weisen doch zahlreiche Nachrichten auf Seidenstickerarbeiten hin (zB...

Lamechs Tochter fain, die erst Nettrin soll gwesen sein - Frauen als professionelle Stickerinnen

Geschrieben in Sticken am 18.07.2017 von Eva-Maria

Im Widerspruch zum modern geprägten Bild von der Frau im Mittelalter, die sich einzig um Haushalt und Kindererziehung kümmerte, war die Erwerbstätigkeit von Frauen im Spätmittelalter mehr die Regel denn die Ausnahme. Es gab kaum ein Handwerk bzw. Gewerbe, in dem Frauen nicht zu finden waren. Sie arbeiteten unter anderem als Metzger, Eisenhändler, Netzmacher, Schuster, Handschuhmacher und Gürtler, Kurzwarenhändler, Taschen- und Hutmacher, Kürschner, Buchbinder, Vergolder, Maler, Seidenweber und Seidensticker, Gewürzhändler, Schmied und Goldschmied sowie diversen weiteren Handwerkszweigen. Doch...

Ein kreisrundes Portrait - Teil 2 / a portrait in a roundel - part 2

Geschrieben in Sticken am 05.07.2017 von Eva-Maria

Nach zahlreichen arbeitsamen Abenden und rund 25 Stunden Stickerei ist die Auftragsarbeit endlich fertig geworden. Das Portait in Opus Anglicanum Technik nach der Freskovorlage der "Allegorie der guten und schlechten Regierung" von Ambrogio Lorenzetti  (1338/1339) misst 8 Zentimeter im Durchmesser und funkelt golden, dass es eine Freude ist. Auch mit der Schattierung der Nadelmalerei in Spaltstich bin ich sehr zufrieden. Nun muss es nur mehr verpackt und seinem neuen Besitzer übergeben werden - der freut sich schon ganz wahnsinnig darauf.  After countless industrious evenings and 25 hours of...

mach das Gold flexibel - versenkte Anlegetechnik / making gold thread flexible - underside couching

Geschrieben in Sticken am 29.06.2017 von Eva-Maria

Neben der oberflächlichen Anlegetechnik existiert noch eine zweite Möglichkeit, Goldfaden in Stickarbeiten zu verwenden - die versenkte Anlegetechnik. Dabei wird der Goldfaden in regelmäßigen Abständen mit Hilfe einer Fadenschlaufe auf die Hinterseite der Stickerei gezogen und so im Stoff verankert (Illustration der Technik). Der Vorteil hier ist, dass durch die regelmäßigen kleinen Knicke der Goldfaden nicht so steif auf dem Stoff aufliegt und das fertige Stickobjekt daher flexibler ist. Das war mitunter ein Grund, warum die versenkte Anlegetechnik im "Opus Anglicanum" breite Verwendung fand....

und wenn ein Lehrkind aufgedingt wird, soll es der Bruderschaft einen Gulden und ein Viertel Wein geben - Ausbildung der Sticker/innen

Geschrieben in Sticken am 25.06.2017 von Eva-Maria

Mit dem Zusammenschluss der professionellen Sticker/innen zu Interessensgemeinschaften bzw. später auch Zünften, ergab sich auch die Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen für die Ausbildung von Lehrlingen festzulegen, die ganz auf die Werkstatten der Stickmeister beschränkt wurde. Die benötigte Lehrzeit war im Vergleich zu anderen Handwerken (mit in der Regel zwei bis drei Lehrjahren) ungewöhnlich hoch, beispielsweise dauerte die Ausbildung in Köln sechs Jahre (Ordnung der Kölner Wappensticker, § 2), in Mailand fünf Lehrjahre, in Paris anfangs sogar acht, 1566 ebenfalls sechs. Zur Absicherung e...

es grüßt der oberste Richter [...] alle, an die folgende Verordnungen gehen - Organisation in Zünften

Geschrieben in Sticken am 14.06.2017 von Eva-Maria

Obwohl sich professionelle Seidensticker/innen schon früh zur Interessensgemeinschaften zusammengeschlossen hatten, wurden die korrespondierenden Zünfte allerdings oftmals erst im 15. oder 16. Jahrhundert formell gegründet (zB 1471 in Paris, 1561 in London). Der Eintritt in die Zunft war unterschiedlich geregelt, entweder nur mit einer Eintrittsgebühr ganz ohne Prüfung oder mit der Eintrittsgebühr und erfolgreich absolvierter Kenntnisstandsprüfung. Letztere gab es lediglich zur Meisterwerdung in Form der Meisterprüfung, in der genormte Beispiele in zumeist einer festgesetzten Frist zu sticken...