Kategorie: Sticken

und wenn ein Lehrkind aufgedingt wird, soll es der Bruderschaft einen Gulden und ein Viertel Wein geben - Ausbildung der Sticker/innen

Geschrieben in Sticken am 25.06.2017 von Eva-Maria

Mit dem Zusammenschluss der professionellen Sticker/innen zu Interessensgemeinschaften bzw. später auch Zünften, ergab sich auch die Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen für die Ausbildung von Lehrlingen festzulegen, die ganz auf die Werkstatten der Stickmeister beschränkt wurde. Die benötigte Lehrzeit war im Vergleich zu anderen Handwerken (mit in der Regel zwei bis drei Lehrjahren) ungewöhnlich hoch, beispielsweise dauerte die Ausbildung in Köln sechs Jahre (Ordnung der Kölner Wappensticker, § 2), in Mailand fünf Lehrjahre, in Paris anfangs sogar acht, 1566 ebenfalls sechs. Zur Absicherung e...

es grüßt der oberste Richter [...] alle, an die folgende Verordnungen gehen - Organisation in Zünften

Geschrieben in Sticken am 14.06.2017 von Eva-Maria

Obwohl sich professionelle Seidensticker/innen schon früh zur Interessensgemeinschaften zusammengeschlossen hatten, wurden die korrespondierenden Zünfte allerdings oftmals erst im 15. oder 16. Jahrhundert formell gegründet (zB 1471 in Paris, 1561 in London). Der Eintritt in die Zunft war unterschiedlich geregelt, entweder nur mit einer Eintrittsgebühr ganz ohne Prüfung oder mit der Eintrittsgebühr und erfolgreich absolvierter Kenntnisstandsprüfung. Letztere gab es lediglich zur Meisterwerdung in Form der Meisterprüfung, in der genormte Beispiele in zumeist einer festgesetzten Frist zu sticken...

umb ain creutz auff das messgewandt zu machen - Produktionszentren mittelalterlicher Stickerei

Geschrieben in Sticken am 08.06.2017 von Eva-Maria

Die Seidenstickerei war vor Seidenspinnerei und -weberei sowie der Seidenfärberei der erste Zweig der Seidengewerbe im Mitteleuropa des 14. Jahrhunderts. London, Paris und einige niederländische sowie deutsche Städte wurden erst dadurch bedeutende Produktions- und Handelszentren für Seidenwaren nördlich der Alpen. In Brügge werden 1296 unter den Zünften die cultensteckers, aber noch nicht Seidenweber genannt; (mit ihnen auch noch Gold- und Silberschmiede); Eine entsprechende Gewerbeordnung für Sticker ist erstmals 1441 nachweisbar. In Gent finden wir ebenfalls zuerst wap...

Spiralen im Gesicht - Opus Anglicanum / spirals in the face - Opus Anglicanum

Geschrieben in Sticken am 24.04.2017 von Eva-Maria

Ein Grund, warum die Gesichter im Opus Anglicanum so lebensecht wirken, ist die besondere Sticktechnik. Im Gegensatz zu anderen Sticktechniken wird hier nämlich nicht nur die Fläche mit Spaltstich gefüllt, sondern auch auf die Linienführung geachtet. Indem die Stickstiche den Konturen des Gesichts folgen und Wangen und Kinn mit spiralförmiger Stickerei betont werden, entsteht eine plastisch wirkende Fläche. Da bekommt der Begriff Nadelmalerei gleich eine ganz andere Bedeutung. Wer gerne lernen möchte, wie man ein Gesicht in Opus Anglicanum Technik stickt, dem empfehle ich das Video Tutorial vo...

Die Schönheit der Wiederholung / the beauty of repetition

Geschrieben in Sticken am 11.04.2017 von Eva-Maria

Als meine Nerven kürzlich etwas Beruhigung brauchten und meine Geduld nicht für weitere Arbeit am Opus Anglicanum Projekt reichte, habe ich eine kleine Ziegelstich-Stickerei begonnen. Vorbild für das Muster und die Farbgebung war der im V&A ausgestellte Beutel aus der Bock Collection (unten links). Als Material verwende ich Stickgrund aus Leinen mit 12 Fäden je Zentimeter sowie dicken weißen Leinenfaden (40x3 tex) und pflanzengefärbte Filamentseide in dunklem Krapprot und einer Doppelfärbung Indigo/Wau. Recently I got sidetracked from my Opus Anglicanum project by a little brick stitch embroid...

Beziehung unter blühenden Bäumen / fondness under a flowering tree

Geschrieben in Sticken am 10.03.2017 von Eva-Maria

Die Vorzeichunung für die Stickerei der beiden Liebenden unter dem Baum ist geschafft. Gerne möchte ich euch meine Vorgehensweise schildern. Zuerst habe ich auf einem vergrößerten Ausdruck die erkennbaren Umrisse der einzelnen Motive mit schwarzem Stift nachgezeichnet (rechts). Wo die Stickerei schon verschlissen war, konnte man teilweise noch die originalen Tuschevorzeichnungen erkennen (zB beim Mann links unter dem Baum), an die ich mich auch gehalten habe. Wo dies nicht der Fall war, kam meine Phantasie ins Spiel. Ausgehend von dem hellen Fleck, der meiner Ansicht nach eine Hand darstellte,...

Textile Pinselstriche / painting with the needle

Geschrieben in Sticken am 03.03.2017 von Eva-Maria

Es ist ein wenig wie Malen nach Zahlen: Man orientiert sich an der Vorlage und versucht, diese so gut als möglich zu kopieren. Nur dass in meinem Fall nicht der Pinsel, sondern die Nadel zum Einsatz kommt. Dabei achte ich bei der Platzierung der Spaltstiche darauf, die Stickrichtung an die Form anzupassen um so ein möglichst realistisches Bild zu erhalten. Linie für Linie, Schattierung für Schattierung entsteht so die textile Malerei. Das dauert seine Zeit, macht aber auch viel Spaß. Und es ist vor allem eine gute Übung für das Gesicht, dessen glaubwürdige Ausführung die Königsklasse im Opus A...

Konturspiel in Weiß - Opus Teutonicum / medieval whitework - opus teutonicum

Geschrieben in Sticken am 21.02.2017 von Eva-Maria

Opus Teutonicum ist eine Form der Weißstickerei, die besonders in den deutschsprachigen Ländern beliebt war und daher ihren Namen bekam. Dabei wurden Muster und Figuren in weißem Leinenfaden auf weißem Leinengrund gestickt, was die "Deutsche Arbeit" zur „günstigen“ Stickerei machte, da heimisch angebautes Material verwendet werden konnte. Selten kamen auch helle, farbige Seide oder Wolle für Konturen oder Akzente zum Einsatz. Um Struktur in die monochrome Stickerei zu bringen wurden verschiedene gezählte Stickmuster sowie Musterbänder im orientalischem Flechtstich eingesetzt. Auch Hohlsäume un...

Hinter dem Vorhang / backsides of embroideries

Geschrieben in Sticken am 14.02.2017 von Eva-Maria

Auf Wunsch eines Lesers/einer Leserin zeige ich heute einen Teil der Stickerei, der normalerweise verborgen bleibt - die Rückseite. Hier ist je nach Technik mal mehr, mal weniger zu sehen. So gibt es ja einige Stickstiche, die speziell dafür gemacht sind, das Fadenmaterial so sparsam wie möglich und fast ausschließlich auf der Vorderseite zu verwenden. Der Bayeux Stich und der Klosterstich sind hier die besten Beispiele, über die ich bereits einen Artikel geschrieben habe. Andere Techniken haben nahezu den gleichen Fadenverbrauch auf Vorder- und Rückseite. Hier sind der Ziegelstich, der Zopfst...

Ein kreisrundes Porträt / a portrait in a roundel

Geschrieben in Sticken am 09.02.2017 von Eva-Maria

Inspiriert vom goldenen Einhorn trat ein Darstellerkollege mit einem Stickauftrag an mich heran. In einer steirischen Kleiderordnung von 1336 hatte er einen Hinweis darauf gefunden, dass kleine gestickte Bilder als Schmuckelemente der Kleidung getragen wurden. Die Quelle beschrieb dies folgendermaßen: "... andere trugen auf der linken Seite der Brust Porträts ..." oder "...wieder andere trugen auf der Brust einen Einsatz von anderem Tuch mit silbernen oder seidenen Buchstaben bestickt". Nach einigen Überlegungen, welche Variante wohl am besten zu realisieren wäre, einigten wir uns auf ein gest...