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Schattiertes Gold - Or nué / medieval goldwork - Or nué

Geschrieben in Sticken am 04.07.2018 von Eva-Maria

Or Nué - wörtlich „Schattiertes Gold“ - ist eine Sonderform der Goldstickerei. Dabei wurden angelegte Goldfäden mit bunten Seidenfäden in unterschiedlichen Abständen so überwickelt, dass Schattierungen, Faltenwürfe und plastische Effekte entstanden. Je dichter die Seidenfäden aneinander lagen, umso dunkler war der entstehende Schatten, je weiter auseinander sie platziert waren, umso mehr Goldfaden konnte durchscheinen und eine hellere Farbe erzeugen. Das Gesamtwerk wirkte wie aus purem Gold gemalt und ist heute nahezu in Vergessenheit geraten. Im Mittelalter waren Sticker aus Flandern und Ital...

von vrouwen und von wîben - Belebung im Museum Tiroler Bauernhöfe, 23.-24.06.2018

Geschrieben in Veranstaltungen am 15.05.2018 von Eva-Maria

Das Museum Tiroler Bauernhöfe lädt am  23. und 24. Juni 2018 zur Zeitreise ins 14. Jahrhundert ein. Erleben Sie den Alltag eines Haushalts aus der damaligen Zeit, schnuppern Sie die Düfte historischer Köstlichkeiten und schauen Sie den Darsteller/innen bei diversen handwerklichen Tätigkeiten über die Schulter. Ein besonderer Fokus liegt auf den Lebenswelten der Frauen im Spätmittelalter. Sie waren nicht nur Hausfrauen und Mütter, sondern auch unentbehrliche Arbeitskraft am Hof oder im städtischen Betrieb und sorgten oftmals mit eigenen Kleinunternehmen für ihren finanziellen Beitrag zur Hausge...

Unsere Lieblingshandschriften / our favourite manuscripts

Geschrieben in Links am 19.04.2018 von Eva-Maria

Wie ihr alle wisst, spielen Primärquellen in der Recherchearbeit für unser Hobby eine bedeutende Rolle. Da ist es ein Glück, dass wir nicht mehr von Bibliothek zu Bibliothek reisen müssen um die alten Wälzer zu bestaunen, sondern dank Internet und vernetzter Welt ganz einfach vom Sofa aus die Handschriften gustieren können. Aufgrund hoher Scanauflösung meist noch in größerer Detaildichte als mit freiem Auge erkennbar! Also gibt es hier nun eine Linkliste zu Digitalisaten von Handschriften, auf die wir uns immer wieder in unserer Recherchearbeit zum Leben Ende des 14. Jahrhunderts stützen. As y...

Lammragout der pikanten Art / Mamonia

Geschrieben in Rezepte am 03.04.2018 von Eva-Maria

Eines der einprägsamsten geschmacklichen Erlebnisse bei der Interpretation eines mittelalterlichen Rezeptes war für mich das "Mamonia". Fasziniert durch den Titel des Gerichtes kochte ich den Fleischeintopf für eine Gruppe von Personen in der Grappe - und war nicht schlecht erstaunt, als das Ergebnis zwar sehr schmackhaft, aber auch äußerst scharf war. Später fand ich heraus, warum: Ich hatte mangels vorhandener Zutat den geforderten Langen Pfeffer durch gewöhnlichen schwarzen Pfeffer ersetzt. Allerdings hatte ich nicht bedacht, dass dieser sich in der Schärfe ganz anders verhalten würde. Den...

Von Beuteln so schön... / of beautiful pouches...

Geschrieben in Links am 12.03.2018 von Eva-Maria

"Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", heißt ein altes Sprichwort. Dieser Meinung schließe ich mich an und präsentiere meine Linksammlung, wo hochauflösende Fotos mittelalterlicher Beutel bewundert werden können. Viel Spaß! "A picture paints a thousand words" knows an old proverb. I wholly share this attitude and therefore present my bookmarked webpages with high-resolution pictures of medieval extant purses and pouches. Enjoy! Reliquienbeutel @ Belgian Art Links an Tools (BALaT) Almosenbeutel @ Wirtualne Muzea Małopolski 14th century Aumonieres (extant) @ Pinterest Almosenta...

Fleisch in Rotweinsauce / Brawn en Peuerade

Geschrieben in Rezepte am 06.03.2018 von Eva-Maria

Der Begriff "brawn" bedeutet so viel wie "Fleisch, das gebraten werden kann" und stammt vom altfranzösischen "braon" (fleischiger Teil, Hintern) ab. Auch das althochdeutsche Wort "brato" für "zartes Fleisch" weist auf die Eignung des verwendeten Fleisches als Braten hin. Besonders schmackhaft sind daher für dieses Rezept Schweine- oder Wildschweinfleisch, aber auch anderes Wild wie zB Hirsch könnte passen. Quelle: Give it forth Brawn en Peuerade Das Originalrezept stammt aus Two fifteenth-century cookery-books. Harleian ms. 279 (ab. 1430), & Harl. ms. 4016 (ab. 1450), with extracts from Ashmo...

ein einfacher Lederbeutel / a simple leather pouch

Geschrieben in Nähen am 27.02.2018 von Eva-Maria

Inspiriert von Elinas Artikel über die standesgemäße Verwendung von Accessoires hab auch ich meine Ausstattung reflektiert. Dabei viel mir auf, dass meine bäuerliche Darstellung über keine Möglichkeit verfügte, Gegenstände bei sich zu tragen. Diesem Umstand musste dringend Abhilfe geschaffen werden - ein einfacher Lederbeutel musste her! Die Recherche in diversen Publikationen zum Thema und den Online-Katalogen der großen Museen zeigt mir rasch auf, dass es erhaltene Lederbeutel gibt, die von einfacher Machart waren. Das traute sogar ich mir zu! Also hab ich ein Stück schwarzes Leder (leider c...

"die Hosen anhaben" - weibliche Beinbekleidung im Spätmittelalter / "to wear the breeches" - medieval women's hose

Geschrieben in Kleidung am 13.02.2018 von Eva-Maria

Bedingt durch die bodenlange Kleidung sieht man in mittelalterlichen Abbildungen nur selten, was „frau“ darunter trägt. Einzige Ausnahmen sind die Darstellung sexueller Handlungen (meist im Kontext außerehelichen sowie erzwungenen Beischlafs) in illustrierten Handschriften und ab und an eine Frau mit gerafften Röcken in Monatsbildern oder Fresken. Diese spärlichen Quellen zeigen jedoch, dass die Beinbekleidung der Frauen aus kniehohen Strümpfen bestand – im mittelalterlichen Sprachgebrauch auch hosen genannt – die mit Bändern unter dem Knie fixiert wurden. Basierend auf den dargestellten Farbe...

Kapaun in Honig-Gewürz-Milch / Douce Ame

Geschrieben in Rezepte am 30.01.2018 von Eva-Maria

Douce Ame - schon allein der Name des Rezepts klingt spannend. In verschiedenen Handschriften wird der Kapaun in Honig-Gewürz-Sauce erwähnt: als Douce iayn, Bouce Jane, Doousiane, and Douce iame (Curye on Inglysch). Wahrscheinlich ist die unterschiedliche Schreibweise eine "schlampige" Form der französischen Bezeichung "douce jane" (modern: douce jaune), was soviel wie "süßes Gelbes" bedeutet und auf den Honig und den farbgebenden Safran im Rezept hinweist. Quellennachweis Douce Ame So klingt das Originalrezept aus dem Manuskript Fourme of Curye, Rylands MS 7, University of Manchester, folio...

Ein weißes Essen / Blanc Manger

Geschrieben in Rezepte am 20.01.2018 von Eva-Maria

Eines der beliebtesten Essen für besser gestellte Personen war das "weiße Essen" - genannt Blanc Manger bzw. Blamensir. Es taucht in verschiedenen Rezepthandschriften (Übersichtsliste) auf und besteht im wesentlichen aus Hühnchen und Reis. Einen blamensir. Der woelle machen einen blamenser, der neme dicke mandelmilch vnd huener brueste geceyset vnd tuo daz in die mandelmilch. vnd ruere daz mit ris mele vnd smaltz genuoc, vnd zuckers tuo genuog dar zvo. daz ist ein blamenser. Quelle: Daz buoch von guoter spîse, auch „Würzburger Kochbuch“ , 2° Cod. ms. 731, Cim. 4 , Universitätsbibliothek Münc...